Von Fans für Fans : Sommerfest bei Hertha

Herthas Fans feiern auf dem Vereinsgelände das jährlich stattfindende Sommerfest - und diskutieren eifrig die Ereignisse in Düsseldorf und die Verhandlung über die Wertung des Spiels.

Es hätte vermutlich keinen besseren Zeitpunkt geben können für das Sommerfest, organisiert von Fans für Fans, auf dem Vereinsgelände von Hertha BSC. Nach den unschönen Fernsehbildern vom entscheidenden Relegationsspiel gegen Fortuna Düsseldorf am vergangenen Dienstagabend, als aus dem Auswärtsblock der Hertha-Fans ein Regen aus Feuerwerkskörpern zu Boden ging auf dem Spielfeld, war man am Samstag um weitaus bessere Bilder bemüht.

Organisiert wurde das heitere Zusammentreffen der blau-weißen Berliner Fanszene von dem Verein Fanhaus 1892, der allen Fanklubs von Hertha BSC ein Dach bieten will. Fanhaus sammelte auch gestern wieder Geld für den Bau eines neuen Vereinstreffpunkts auf dem Gelände des Olympiastadions.

Heike Steboy, Erste Vorsitzende des Vereins, stellte dann auch gleich klar, dass sie von Pyrotechnik und insbesondere von Bengalischen Feuern im Stadion nur wenig hält, und distanzierte sich damit von den „wenigen Chaoten aus Berlin, die in Düsseldorf nur auf der Suche nach Krawall waren“. Daniel Schönberg sieht zumindest eine Teilschuld auch bei den Düsseldorfer Fans. „Während des Hinspieles in Berlin brannten ausschließlich die Fortuna-Anhänger Pyrotechnik ab im Stadion“, so der Zweite Vorsitzende des Hertha-Fanklubs HFC Blue Dolphins. „Es gab direkt nach Spielende die erste Ankündigung der Berliner Ultras, die Düsseldorfer im Rückspiel damit übertreffen zu wollen.“

Wie dem auch sei. Das Fanfest, das in enger Zusammenarbeit mit Herthas Fanbetreuung organisiert wurde, verschwand nicht im dichten Nebel der Bengalischen Feuer und blieb dem guten Wetter gemäß friedlich. Die rund 500 Besucher, darunter hauptsächlich Kinder in Raffael-Trikots, spazierten tiefenentspannt über die grüne Wiese und tauschten sich angeregt aus.

Zwischen den vielen Buden der Hertha-Sponsoren und den Infoständen einzelner Fanklubs war die auf Montagnachmittag vertagte Entscheidung des DFB-Sportgerichts über die Wertung des skandalträchtigen letzten Duells mit den Düsseldorfern natürlich Gesprächsthema Nummer eins.

Und in einem Punkt war sich ein Großteil der Besucher vollkommen sicher: Egal, ob Bundesliga oder Zweite Liga, wir bleiben der Hertha treu. Und ob ihr Verein es denn verdient hätte, am grünen Tisch nun doch noch ein letztes Entscheidungsspiel mit Fortuna Düsseldorf zugesprochen zu bekommen, darüber gingen die Meinungen weit auseinander.

Heike Steboy rümpfte dann auch gleich die Nase und holte tief Luft: „Normalerweise ist ja nach dieser miserablen Saison ein Abstieg der Hertha mehr als verdient. Und eigentlich“, sagte sie dann, „ist mir die Mitgliederversammlung am 29. Mai auch viel wichtiger als die Entscheidung des Sportgerichts. Es müssen endlich grundlegende Veränderungen her, sonst ist der Verein sowieso bald kaputt.“ Für Daniel Schönberg ist die Angelegenheit dagegen klar: „In letzter Konsequenz wurden in Düsseldorf die Regularien eines Fußballspiels verletzt. Also muss die Partie wiederholt werden.“

Eine gute Nachricht gab es am Ende des Tages dann noch für die Hertha-Profis Lewan Kobiaschwili, Christian Lell, Thomas Kraft und Andre Mijatovic. Sie alle waren – jeglicher Vorbildfunktion zum Trotze – nach dem Düsseldorf-Spiel durch verbale Entgleisungen gegenüber Schiedsrichter Wolfgang Stark äußerst negativ aufgefallen. Doch in dem Fanfest-Käfig nahm sich keiner der jüngsten Hertha-Fans an seinen Idolen ein Beispiel.

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