Sport : Von Gänsen und Schnäpsen

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Wie lange kann man mit einer Lüge leben? Wolf-Dieter Ahlenfelder hat es 35 Jahre lang ausgehalten. Am 8. November 1975 hatte der Bundesliga-Schiedsrichter den beherzten Versuch unternommen, die erste Halbzeit des Spiels zwischen Hannover 96 und Werder Bremen bereits nach 30 Minuten abzupfeifen. Es soll damals Alkohol im Spiel gewesen sein. Ahlenfelder gab nach dem Spiel an, er habe sein Mittagessen, eine fettige Gans, mit Bier und Malteserschnaps herunterspülen müssen. Jetzt lüftete der heute 66-Jährige im „Kicker“ das Geheimnis: Es gab gar keine Gans. Ahlenfelder hatte einfach Durst.

Zeitzeugen berichten, der Unparteiische habe nach Alkohol gerochen, geknurrt wie ein Hund und Fotografen die Zunge herausgestreckt. Ahlenfelder gibt alles zu, nur die Anschuldigung des Bremers Per Röntved, der beschwipste Schiri habe ihn küssen wollen, weist er von sich. Auch für den verfrühten Halbzeitpfiff gibt es laut Ahlenfelder eine logische Erklärung: „Ich hatte Probleme mit der Uhr, war kurzzeitig verwirrt.“ Ehrliche Worte, die anderen als Vorbild dienen können.

Sergej Schmolik zum Beispiel. Der weißrussische Referee hatte 2008 die Partie FK Vitebsk gegen Naftan Novopolotsk (1:1) tadellos und mit effizientem Stellungsspiel geleitet, nach seinem korrekt getimten Abpfiff konnte er den Mittelkreis aber nicht mehr aus eigener Kraft verlassen. Ein Rückenleiden machte ihm zu schaffen, wie er angab, eine Untersuchung im Krankenhaus brachte allerdings auch einen Promillewert von 2,6 zu Tage.

Ahlenfelders Geständnis könnte Schmolik nun dazu motivieren, reinen Tisch zu machen und zu erklären: Es war der Wodka und nicht der Ischias.

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