Sport : Von Gottes Gnaden

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Daniel Pontzen über die neue Zeitrechnung beim TSV 1860 München

Manchmal dauert ein Trainerwechsel anderthalb Jahre. Im Oktober 2001 war KarlHeinz Wildmoser beleidigt, sein TSV 1860 hatte das Derby 1:5 gegen die Roten verloren, da kündigte er Werner Lorant die scheinbar ewige Freundschaft, hastig beförderte der Präsident Peter Pacult zum Nachfolger. In all der Eile vergaß er damals die nach einem knappen Jahrzehnt Lorantscher Alleinherrschaft dringend notwendige Zäsur.

Pacult hat sich nie emanzipiert, er hatte auch nie die Chance dazu. Er bemühte sich, nicht mehr Peter, der Kotrainer zu sein, sondern Herr Pacult, der Chef. Auf der Suche nach Profil maßregelte er Stars wie Suker und Häßler, doch all dies sollte nicht helfen. Pacult blieb einzig im Amt dank Gottes Gnaden, und Gott, das ist bei 1860 der Präsident. Selten versäumte der Chef, darauf hinzuweisen, wie glücklich sich Pacult schätzen könne, Bundesliga-Trainer zu sein. Dass Pacult nun gehen muss, auf Platz acht liegend, deutet darauf hin, dass Wildmoser Pacults Einstellung inzwischen als Missverständnis sieht.

Mit einiger Verspätung nun könnte Falko Götz für den Beginn einer neuen Zeit stehen. Er ist der dringend benötigte Eindringling in die Sphäre des TSV 1860, in das dichte Beziehungsknäuel, in dessen Zentrum Wildmoser thront. Götz muss es gelingen, einen Gegenpol zu dem Präsidenten zu bilden, nur dann kann er langfristig Erfolg haben. Götz hat sich bewiesen, fernab von Giesing, er scheint geeignet. Mit Blick auf seine Flucht aus der DDR hat er einmal gesagt: „Wer so was mitgemacht hat, den kann nichts mehr schrecken.“ Auch launische Präsidenten nicht.

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