Sport : Von großen und kleinen Gewinnern

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Armin Lehmann über

einen Mann im Kopf von Paul Gascoigne

Es gibt Sportler, die gehören nicht zu den großen Gewinnern. Einer von ihnen ist Paul Gascoigne, Englands bulliger ExNationalstürmer. Er ist in Erinnerung als ein Mann ohne Manieren, der rempelte, rülpste und stets für zünftige Schlägereien gut war. Aber auch als einer, den der große Erfolg übersah, wofür vielleicht das EM-Halbfinale 1996 exemplarisch steht, wo Gascoigne ausgerechnet gegen die Deutschen beim Stand von 1:1 in der Verlängerung um Millimeter am Ball und damit am Torerfolg vorbeischlitterte. Das Spiel wäre mit dem „Golden Goal“ entschieden worden, so gewannen die Deutschen 6:5 im Elfmeterschießen, und Gascoigne wurde wieder nicht zum Helden.

Eben jener Paul Gascoigne, der längst als Fußball-Legionär nach China ausgewandert ist, hat nun in der englischen Zeitung „The Sun“ offen über seine langjährige Alkoholkrankheit gesprochen. Gascoigne sagt, er habe im Kopf einen kleinen Mann, und „der sagt: Nimm einen Drink, nimm einen Drink. Und ich bekomme ihn einfach nicht aus dem Kopf heraus“.

Immerhin scheint es Gascoignes fester Wille zu sein, diesen kleinen Mann anzurempeln, anzurülpsen und ihm irgendwann von hinten in die Beine zu grätschen, auf dass er nie wiederkommt. Leider hat Gascoigne bei diesem Bemühen ausgerechnet David Beckham zu seinem Vorbild erkoren und darüber fabuliert, er hätte alles so machen sollen wie der neue Star bei Real Madrid.

Was aber flüstert wohl der kleine Mann in Beckhams Kopf? Nimm noch mehr Kohle, nimm noch mehr Werbeverträge an und lass’ dir wieder eine neue Frisur machen? Nein, das viele Geld von Beckham hätte Paul Gascoigne ganz bestimmt nicht von der Flasche gebracht. Die Sars-bedingte Entziehungskur, die er jetzt abgeschlossen hat, vielleicht schon.

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