Von Hertha nach Bochum : Friedhelm Funkel: Vom Absteiger zum Absteiger

Nach seinem Abstieg mit Hertha soll Friedhelm Funkel soll jetzt den Mitabsteiger VfL Bochum als Trainer zurück in die Bundesliga führen.

Richard Leipold
Blau-weiß bleibt. Bei den Vereinsfarben muss sich Friedhelm Funkel (mit Werner Altegoer, l., und Thomas Ernst) nicht umstellen. Foto: ddp
Blau-weiß bleibt. Bei den Vereinsfarben muss sich Friedhelm Funkel (mit Werner Altegoer, l., und Thomas Ernst) nicht umstellen.Foto: ddp

Lange hat es gedauert, aber jetzt haben zwei zueinandergefunden, die zumindest ihrer sportlichen Vita wegen zusammenpassen: der VfL Bochum, gerade eben zum sechsten Mal aus der Fußball-Bundesliga abgestiegen, und Friedhelm Funkel, gerade eben zum fünften Mal in seiner Karriere abgestiegen, dieses Mal mit Hertha BSC. Genau zwei Wochen nach dem Ende einer für Bochum wie für die Berliner besonders unrühmlichen Saison haben Funkel und der VfL sich darauf verständigt, es miteinander zu versuchen. „Wir sind uns einig“, sagt Funkel, „der VfL will zurück in die Erste Liga, und ich will auch zurück in die Erste Liga, es macht mir nichts aus, in der Zweiten Liga zu arbeiten.“

Zwar gilt der 56 Jahre alte Cheftrainer nicht gerade als innovativ, den Blick für das Machbare aber kann ihm niemand absprechen. Wie die Bochumer kennt er sich nicht nur mit dem Absteigen aus, sondern auch mit dem Aufsteigen. Insofern musste es irgendwann einfach zu dieser konservativen Koalition kommen: Funkel hat in fünf Jahren Zweite Liga fünf Mal eine Mannschaft in die Bundesliga geführt. In Bochum erhält er einen Vertrag für ein Jahr, der sich verlängert, falls das Spiel Super 6 ein Erfolg wird. „Wir sehen in Herrn Funkel alle Fähigkeiten vereint, die wir für den direkten Wiederaufstieg benötigen“, sagte der Bochumer Aufsichtsratsvorsitzende Werner Altegoer. „Er hat einfach einen guten Ruf.“

Dieser Ruf hat zuletzt allerdings etwas gelitten. Bei Hertha BSC legte Funkels Mannschaft zwar eine passable Rückrunde hin, aber in prekärer Lage benötigte er letztlich eine zu lange Anlaufzeit. In den ersten zehn Spielen vor der Winterpause holte die Mannschaft mit Funkel nur drei Punkte. Eine lange Anlaufzeit bekommt der neue Trainer auch in Bochum, zumindest in der Vorbereitung auf die nächste Saison. Das sieht Funkel als Vorteil an, genauso wie die Zeit in Berlin. Als Trainer von Hertha sei er gut beraten gewesen, sich auch mit der Zweiten, und mit Blick auf entwicklungsfähige Spieler sogar mit der Dritten Liga zu beschäftigen. Insofern sei er, was den Markt angeht, durchaus im Bilde. Der VfL Bochum wird sein Budget zwar kürzen müssen, dürfte aber einer der am besten ausgestatteten Zweitligaklubs sein. Funkel jedenfalls ist zuversichtlich, den verdrossenen Bochumer Fans eine Mannschaft präsentieren zu können, „die wieder nach oben will“. Ein radikaler Neuaufbau schwebt ihm jedoch nicht vor.

Der Routinier ist schon der fünfte Trainer des VfL in nur einem Jahr – was darauf hindeutet, dass das wahre Problem des Klubs eher im Management liegt. Erst wollte der Vorstand mit Marcel Koller das Konzept „Weiter so, Bochum“ verfolgen, nach der Zwischenlösung Frank Heinemann wurde für die nötigen Reformen in Heiko Herrlich ein übereifriger Revolutionär verpflichtet. Dessen grandiosem Scheitern, das der Nothelfer Dariusz Wosz nicht zu korrigieren vermochte, folgt die Rolle rückwärts. Für Funkel ist das immerhin die Chance, im Geschäft zu bleiben. Von einem Absteiger zum anderen zu wechseln – auch das gehört zu den unbegrenzten Möglichkeiten dieses oft merkwürdigen Geschäfts.

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