Sport : Von Holland lernen

Benedikt Voigt

Das olympische Paradies soll in der Nähe des Syntagma-Platzes zu finden sein. Unter den deutschen Olympia-Besuchern ist es allerdings bislang nur ein Mythos, da es noch keiner gesehen hat: das Holländer-Haus. An jedem Abend soll dort eine große Party stattfinden. Die Holländer sollen ein Bierzelt für rund 2000 Menschen errichtet haben und regelmäßig mit der ganzen Welt bis tief in die Nacht hinein feiern. Das Beste daran ist: Jeder darf hinein. Man muss sich also das Holländer-Haus als genaues Gegenteil des Deutschen Hauses vorstellen.

Das Deutsche Haus ist gesichert, als gelte es, die Goldreserven der Bundesregierung zu schützen. Drei Kontrollpunkte muss der Besucher passieren, bis er das umfunktionierte Schulgebäude betreten darf. Am Schultor wird er von drei Beamten des Bundesgrenzschutzes empfangen, die seine Akkreditierung überprüfen. Auf dem Parkplatz muss er in Gegenwart weiterer Grenzschutzbeamter eine Sicherheitsschleuse durchschreiten, wie sie an Flughäfen benutzt wird. Am Eingang schließlich muss er seine Akkreditierung auf ein Lesegerät legen und einen Fingerabdruck auf eine rosa Fläche hinterlassen. Stimmt der Abdruck mit den Daten der Karte überein, hat es der Besucher geschafft: Eine Schleuse öffnet sich und er darf eintreten.

Deutschland ist exklusiv, soll das wohl bedeuten. Auf diese Weise bevölkert jedoch ein elitärer Zirkel das Haus, der nur verhalten feiert. Eine Party fand hier bislang nicht statt. Vielleicht sollten die Deutschen von den Holländern lernen: Wer mit der Welt feiern will, muss sie auch hineinlassen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben