Sport : Von Kämpfern und Kriegern

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Stefan Hermanns über die Komplexe im schottischen Fußball

Stefan Klos, der frühere Torhüter von Borussia Dortmund, lebt bereits seit fast fünf Jahren in Schottland, und möglicherweise hat der lange Aufenthalt die Bindung an sein Heimatland gelockert. Das ist nichts Ungewöhnliches, und doch hat Klos aus Sicht der deutschen Fußballfans einen schweren Fehler begangen. Der Torhüter der Glasgow Rangers hat in dieser Woche dem „Daily Express“ gesagt, dass die Deutschen das EMQualifikationsspiel gegen Schottland gewinnen werden, „vorausgesetzt sie erreichen ihre normale Form“. Und um das Ganze noch ein bisschen zuzuspitzen, hat die Redaktion den Text mit der Schlagzeile versehen: „Macht euch keine Hoffnungen!“

So etwas lieben die Schotten. Ach was, sie brauchen das geradezu, dieses Gefühl, verkannt zu werden. Der Minderwertigkeitskomplex ist gewissermaßen Teil des Nationalcharakters dieses Volkes, das sich im Laufe der Geschichte stets vergeblich gegen die englische Herrschaft aufgelehnt hat. Ist es ein Zufall, dass die schottische Fußball-Elf als „The Tartan Army“ bezeichnet wird? Der Schotte sieht sich am liebsten als Kämpfer und Krieger, auch auf dem Fußballplatz.

Berti Vogts war auch immer ein Kämpfer, und deshalb glaubten die Schotten, er würde ganz gut zu ihnen passen. Als Vogts noch recht neu war in seinem Amt als Nationaltrainer, sind die Leute in Schottland ihm mit gewissem Wohlwollen begegnet. Selbst wenn sie von seinen fachlichen Qualitäten nicht überzeugt waren, haben sie ihm zumindest zu Gute gehalten, dass er genau so schlecht Englisch spricht wie sie selbst. Inzwischen genügt ihnen das nicht mehr. Der „Daily Express“ hat seinen Lesern mitgeteilt, dass Vogts in Deutschland immer noch geschätzt werde, und in großen Buchstaben verkündet: „Wir würden ihn zurücknehmen.“ Es las sich wie ein Wunsch der Schotten.

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