Sport : Von kleinen und großen Weltmeistern

Der Konföderationencup in Frankreich stößt auf viel Kritik

Martin Hägele

Paris. Sepp Blatter war erkältet, doch in seiner Mission als Verkäufer des Konföderationencups, der heute in Frankreich beginnt, ließ er sich nicht bremsen. Den medienbewussten Präsidenten des Fußball-Weltverbandes Fifa störte nicht einmal das kleine Forum; nur zwei, vielleicht drei Dutzend Reporter waren anwesend, die an der Begeisterung des Schweizers für die „kleine Weltmeisterschaft“ teilhaben wollten. Dabei verteilte Blatter auch noch einen Rüffel an die spanische Liga, deren Finale sich mit dem interkontinentalen Treff überschneidet. Den Spaniern fehle es an Respekt gegenüber dem Kalender der Fifa, so Blatter. Und: „Wer hier nicht dabei ist, begeht einen Fehler.“

Doch auch im Gastgeberland Frankreich haben nicht alle laut über die Austragung des Turniers gejubelt. Claude Simonet, Chef des französischen Verbandes, hat jedenfalls Probleme, den Vereinen und den Profis das Turnier inmitten der sowieso schon kurzen Sommerpause zu erklären. „Als Titelverteidiger und Europameister sind wir nun mal doppelt verpflichtet, an diesem Turnier teilzunehmen“, sagte Simonet zur Erklärung. „Außerdem haben wir in Frankreich wenigstens keine Reisestrapazen.“

Der gesamte Kader muss ran

Arsène Wenger, der populäre französische Trainer von Arsenal London, legt sich nicht so viel Zurückhaltung auf, wenn er das Turnier kommentieren soll. Für Wenger ist der fußballerische Pausenfüller nichts anderes als eine „große Dummheit“. Die Spieler bräuchten einmal im Jahr ein paar Wochen Zeit, um sich von der Saison zu erholen. Wenger hat trotzdem nicht abgelehnt, als Frankreichs Nationaltrainer Jacques Santini vor kurzem nach London kam, um für etwas mehr Verständnis zu werben. Santani akquirierte dabei die drei Arsenal-Stars Robert Pirès, Thierry Henry und Sylvain Wiltord. Allerdings hat Santini auf seiner Rundreise den europäischen Spitzenklubs zusichern müssen, die Kräfte der Stars zu schonen. Schließlich müssen die beiden Finalisten fünf Spiele innerhalb von zehn Tagen absolvieren. Ein solches Programm funktioniert nur sinnvoll, wenn möglichst alle 23 Spieler des Kaders zum Einsatz kommen.

Im Fall von Frankreich macht dieses System sogar Sinn. Ein Jahr nach der WM-Blamage in Fernost und zwölf Monate, bevor das Team den europäischen Titel in Portugal verteidigen muss, kann der Nachfolger von Roger Lemerre nicht nur etwas für die gekränkte französische Volksseele tun; Santini erhofft sich auch weitere Aufschlüsse bei dem von ihm eingeleiteten Generationenwechsel. Dabei schadet es nicht einmal, dass er auf einige der alten Stars wie etwa Zidane und Makelele, die am Sonntag für Real Madrid wieder einmal die spanische Meisterschaft einspielen sollen, verzichten muss.

Unter ähnlichen Prämissen tritt der zweite große Favorit Brasilien an. Ronaldo, Rivaldo und Ze Roberto sollen nach einem stressigen Jahr ihren Frust beziehungsweise die Folgen einer Operation kurieren. Mit Roberto Carlos fehlt ein weiterer Star der Mannschaft, da der Mann mit dem harten Schuss für drei Spiele gesperrt worden ist, weil er einen israelischen Schiedsrichter mit dem Ellbogen gerempelt hatte.

Winfried Schäfer will ins Finale

Brasiliens Nationalcoach Carlos Alberto Parreira muss sich derzeit viel Kritik der heimischen Presse gefallen lassen. Deshalb wäre ein Titel, und wenn auch ein unwichtiger, gut für ihn und das Team. Zudem wäre es ein guter Leistungstest für die Talente im Land des fünfmaligen Weltmeisters. Erst recht, wenn es am 29. Juni im Stade de France zur Neuauflage des WM-Endspiels von 1998 gegen Frankreich kommen sollte. Das 0:3 von damals nagt noch immer ein wenig am Selbstbewusstsein der stolzen Fußball-Nation.

Wenn man auf die Zitate hört, die von den Vertretern aller fünf Kontinente kommen, dann sind sie schon mit besonderen Ambitionen angereist zu den Spielen in Paris, Lyon und St. Etienne. Afrikameister Kamerun und dessen deutscher Trainer Winfried Schäfer müssen sich mit einem stark verjüngten Team für das vorzeitige WM-Aus rehabilitieren. Schäfer sagt: „Wir wollen ins Finale.“

Auch Japan steht unter Erfolgszwang. In Asien würde mit Zico nicht länger freundlich umgesprungen werden, die Fans im Lande möchten endlich wieder Siege ihrer Mannschaft feiern und nicht schon jetzt vor der nächsten WM in Deutschland Angst haben müssen. Die Türken, die an Stelle der Vizeweltmeister aus Deutschland eingesprungen sind, nutzen bekanntlich jeden Auftritt, um sich als neue Mitglieder des Fußball-Establishments darzustellen. Ähnliche Absichten vermeldet Team USA, das unbedingt die Erfolge der WM in Japan und Korea fortschreiben möchte. Relativ wenig zu berichten wissen die Journalisten über Kolumbien, den Nutznießer der von vielen Stars boykottierten Copa America 2001. Auch über Neuseeland ist kaum etwas bekannt. Die Kicker qualifizierten sich mit dem Sieg beim Ozeanischen Nationen-Pokal für das Turnier. Favorit Australien hatte geglaubt, die Neuseeländer auch ohne seine in England stationierten Legionäre locker besiegen zu können. Und so kommt es in Paris zu einem Eröffnungsspiel der Außenseiter: Japan gegen Neuseeland, heute Abend um 18 Uhr.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben