Sport : Von oben herab

Deutschlands Volleyballer spielen bei der EM in Berlin nur noch um Platz sieben

Karsten Doneck

Berlin. Den Hallensprecher beschlich schon frühzeitig ein mulmiges Gefühl. Selbst offenbar mit einer gewissen Volleyball-Leidenschaft ausgestattet, bat er das Publikum schon zu Beginn des zweiten Satzes beim Stande von 3:5 mit fast flehentlicher Stimme, bloß nicht schlappzumachen bei der Unterstützung der eigenen Mannschaft. „Wir müssen dranbleiben, nicht nachlassen, bitte“, rief er ins Mikrofon. Doch der lärmende Einsatz der 4500 Zuschauer in der Berliner Max-Schmeling-Halle nutzte nichts: Deutschlands Volleyball-Nationalmannschaft unterlag bei der Europameisterschaft Polen mit 1:3 (21:25, 25:23, 32:34, 22:25). Heute spielt die Auswahl des Deutschen Volleyball-Verbandes, die nach einem blendenden Start in die EM kurzzeitig mal vage mit einer Medaille kokettiert hatte, nur noch das Spiel um Platz sieben gegen Spanien (16 Uhr). Im Finale trifft Italien auf Frankreich (18.30 Uhr, jeweils Max-Schmeling-Halle).

Nach der Partie gegen Polen stellte Ralph Bergmann, der Stimmungsmacher im deutschen Team, beinahe trotzig fest: „Wir haben uns nach vorne gearbeitet.“ Sicher, Deutschland hat endlich wieder eine Volleyball-Nationalmannschaft, mit der sich das Publikum identifizieren kann, die mit Leidenschaft Volleyball spielt, die, wenn es mal nicht läuft, gelernt hat, zu kämpfen. Aber da ist eben auch die Einsicht, im europäischen Vergleich noch immer nicht ganz oben angekommen zu sein. Bergmann: „Wir haben unsere Mission nicht erfüllt, aber sie auf einen guten Weg gebracht.“

Wirklich? Werner von Moltke befallen da zwiespältige Gefühle. Der Verbandspräsident ist ein Mensch, der sich vor tiefer gehenden Fragen nicht drückt. Kaum war das Spiel gegen Polen vorbei, da sinnierte von Moltke in den Gängen der Schmeling-Halle: „Leider stellt sich heraus, dass sich meine Hoffnung, wir könnten auch gute Gegner mal schlagen, nicht bestätigt. Aber genau das will ich einfach nicht einsehen. Warum geht das nicht?“ Eine Frage, die ihm Bundestrainer Stelian Moculescu beantworten müsste.

Von Moltke würde Moculescu als Bundestrainer gerne über die EM hinaus behalten. „Er ist ein guter Mann“, sagt der Präsident. Aber Moculescu hat seine eigenen Vorstellungen – und um die durchzusetzen, stellt er sich manchmal stur an. So hat der Rumäne sein Bleiben schon mal davon abhängig gemacht, dass Deutschland weiterhin in der Weltliga den Erfahrungshorizont erweitern kann. Doch das wird kaum klappen.

Die Weltliga wird für das nächste Jahr von 16 auf zwölf Teilnehmer reduziert, der Weltverband hat den Deutschen schon signalisiert, dass sie dann nicht mehr dazugehören werden. „Wir haben die Kriterien nicht erfüllt“, sagt von Moltke. Zu wenig Zuschauer, zu wenig Übertragungszeiten im Fernsehen – das reicht, um die Deutschen auszumustern. Und ein weiteres Argument in den anstehenden Verhandlungen ist von Moltke genommen worden. „Wären wir bei der EM Fünfter oder Sechster geworden, wären wir vielleicht noch in die Weltliga reingekommen“, sagt der Präsident.

Platz sechs wäre auch nötig gewesen, um automatisch für die EM im Jahre 2005 qualifiziert zu sein. Auch dieses Ziel wurde verpasst. Moculescu sagt dazu wenig Tröstliches.: „Es geht immer wieder von vorne los.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar