Sport : Von oben herab

Bayern spielt schlecht, Makaay schießt ein Tor, und Stuttgart verliert die Tabellenführung in der Bundesliga

Daniel Pontzen

München. Es bereitete den als Nikolaus verkleideten Damen in der Halbzeitpause sichtlich Mühe, in der ungemütlichen Kälte ein Lächeln auf ihre geschminkten Gesichter zu zaubern. Die Playmates warfen Geschenke ins Publikum, um die 63 000 Zuschauer im ausverkauften Münchner Olympiastadion, die den unverdienten 1:0-Sieg der Münchner gegen den VfB Stuttgart miterlebten, ein wenig aufzuheitern. Das war auch dringend nötig, denn bis dahin hatten sie vor allem gefroren.

Schon nach 26 Minuten wurde Willy Sagnol ausgepfiffen. Der Bayern-Verteidiger hatte weit hinter das Tor der Stuttgarter Gäste geflankt. Die meisten Fans hatten eigentlich darauf gehofft, endlich eine Torchance zu sehen zu bekommen. Zuvor war nach sieben Minuten nur Hasan Salidhamizic gefährlich vor das Tor der Stuttgarter gekommen und hatte für seine leicht zu durchschauende Flugeinlage im Strafraum der Gäste die Gelbe Karte gesehen.

In der ersten halben Stunde kontrollierte Stuttgart das Spiel. Der VfB verhinderte nüchtern und mit perfekter Ordnung den Spielaufbau der Münchner. Bis auf eine Kopfballchance von Kevin Kuranyi – im ersten Spiel nach seiner Vertragsverlängerung beim VfB – entsprangen der optischen Überlegenheit allerdings keine Torchancen.

Die Münchner hatten es zunächst mit langen Zuspielen auf Roy Makaay versucht. Der hob zwar immer wieder den Daumen, um seinen Mitspielern Zustimmung für ihre Bemühungen zu signalisieren. Doch auch Makaay, der in der Spitze meistens nur von Claudio Pizarro unterstützt wurde, ließ sich nach den Pfiffen für Sagnol, die so etwas wie ein kleines Aufbruchsignal für den leblos wirkenden Rekordmeister waren, ins Mittelfeld zurückfallen und versuchte es wie Michael Ballack mit Distanzschüssen. Wahrscheinlich hatte sich Makaay vorne zu sehr alleine gefühlt. Sein Sturmpartner Claudio Pizarro agierte im Mittelfeld, und Roque Santa Cruz spielte für den wegen Formschwäche auf der Bank sitzenden Ze Roberto auf der linken Außenbahn. Kurz vor der Pause, als die Bayern ihren kurzen Aufbruch schon wieder vergessen hatten, vergab Stuttgarts Aliaksandr Hleb die bis dahin größte Chance des Spiels, als er an drei Münchner Abwehrspielern vorbeizog und nur an Oliver Kahn scheiterte.

Nach der Pause wurde die Partie wesentlich lebhafter. Michael Ballack sah seine fünfte Gelbe Karte, und die Stuttgarter erspielten sich weitere Chancen. Nach einem schönen Zuspiel von Horst Heldt lief Kuranyi alleine auf Kahn zu. Der Nationaltorwart verhinderte mit einem Reflex, dass der Nationalstürmer den Sechs-Punkte-Vorsprung der Stuttgarter auf die angeschlagenen Bayern noch ausbauen konnte.

Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld wechselte Ze Roberto für Santa Cruz ein. Der Brasilianer leitete mit einer schönen Flanke die besten Chance der Münchner an diesem Nachmittag ein, den schönen Schuss von Pizarro lenkte Stuttgarts Torhüter Timo Hildebrand um den Pfosten. Am Spielverlauf änderte das aber nichts. Stuttgart war die überlegene Mannschaft, der erste Erfolg nach vier sieglosen Pflichtspielen schien auch ohne die Leistungsträger Bordon und Soldo nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Doch dann passierte das, womit sicher auch die Nikoläuse nicht mehr gerechnet hatten, obwohl es eigentlich immer passiert: Nach einem langen Ball von Oliver Kahn und einem Missverständnis zwischen Andreas Hinkel und Fernando Meira macht Roy Makaay ein wichtiges Tor für Bayern München. Es war sein achter Treffer in der Bundesliga, ein unspektakulärer Flachschuss. Jetzt hat Stuttagrt ein Spiel verloren – zum ersten Mal in dieser Saison. Und der FC Bayern hat nur noch vier Punkte Rückstand auf den Tabellenführer der Bundesliga. Der heißt jetzt Werder Bremen.

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