Sport : Von Schlafmützen und anderen Helden

Wie die Tournee hinter den Kulissen aussieht

Benedikt Voigt

Mützenmänner: Wer in diesem Jahr mit einer blauen Mütze und dem Schriftzug „Quam“ die Vierschanzentournee besucht, kommt ein Jahr zu spät. Sven Hannawald hat schon wieder einen neuen Sponsor, weshalb die aktuell gültige Sven-Hannawald-Fanmütze nun grau aussieht und den Schriftzug „Sonax“ trägt. „Was ist denn das?“, werden viele Händler von den Fans gefragt. Mit einer Firma für Autopflegemittel auf Sven Hannawalds Stirn scheinen nur die wenigsten zu rechnen. Der einsame Tabellenführer beim Schirmmützenverkauf ist Martin Schmitt, dessen Mütze aus den vergangen vier Jahren ja auch noch Gültigkeit besitzt. Von Sven Hannawald stehen 10 000 Mützen bei der diesjährigen Tournee zum Verkauf an. Im gesamten vergangenen Jahr wurden die Händler zirka 15 000 Mützen los. Die neue Hannawald-Schirmmütze kostet 18,50 Euro. Nur 50 Cents billiger ist die gelbe Mütze von Michael Uhrmann. Allerdings sagt sein Manager: „Ich habe noch keine gesehen.“

Ohne Flocken: Auf keiner der vier Stationen lag Schnee, der vom Himmel gefallen ist. In Bischofshofen sind am 1. Januar noch einmal zehn Zentimeter weggetaut, weshalb die Helfer vom Großglockner noch einmal 100 LKW Schnee holen mussten. Je mehr Schnee geholt werden muss, desto teurer gestaltet sich das Springen. Damit er auch bei Regen liegen bleibt, streuen Helfer Salz auf den Schnee. Auf Anlaufspur, Aufsprunghügel und Auslaufraum liegen insgesamt rund 3000 Kubikmeter Schnee. Kurioserweise war gestern, als die Qualifikation ausfallen musste, der Schnee das größte Problem. Bei den warmen Temperaturen taute der Schnee in der Anlaufspur, so dass sich Wasser in der Rinne sammelte. In Oberstdorf versuchte man diesem Phänomen mit einer neuen Kühlanlage zu begegnen, damit das Wasser sofort zu Eis friert.

Ehrenamt: Seit dem 27. Dezember sind in Bischofshofen 300 Freiwillige im Einsatz. Ihr Dienst begann mit dem Schneeholen. Abgesehen von der Verpflegung werden sie nicht entlohnt. Sie tun es für Bischofshofen. „Der Werbeeffekt ist enorm“, sagt Fritz Windbichler vom örtlichen Organisationskomitee. Neben den 30 000 Zuschauern, die auch in diesem Jahr an der Paul-Ausserleitner-Schanze erwartet werden und den Ort in eine Partyzone verwandeln, wird das Springen weltweit übertragen. 2002 sahen allein in Deutschland 13,3 Millionen Zuschauer das Springen von Bischofshofen. Der Dienst der Freiwilligen endet am 7. Januar, wenn die Autos des Fahrdienstes nach Ingolstadt zurückgefahren werden müssen.

Bald ist Schule: 250 Journalisten verwandeln die Hermann-Wielandner-Hauptschule von Bischofshofen in ein Pressezentrum. Im angrenzenden Kultursaal, wo die Kinder normalerweise Diavorträge oder Theateraufführungen sehen, werden am Montagabend Hannawald oder Ahonen sitzen. Dort findet die abschließende Pressekonferenz statt. Ab 18 Uhr beginnt das Aufräumen, irgendwann nach Mitternacht muss auch der letzte Tisch wieder an seinem Platz stehen. Am nächsten Tag ist wieder Schule.

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