Sport : Von Sir Alex zu Dieter Hoeneß

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Nach dem 0:3 seiner Russen in Wembley lieferte der weltgewandte Holländer Guus Hiddink eine genauso komplexe wie glasklare Analyse in geschliffenem Englisch. Die Spielbetrachtung des englischen Nationaltrainers Steve McClaren erschöpfte sich in Parolen wie „Wir haben uns zurückgekämpft“ oder „Ich bin sehr glücklich“. Man werde für das Rückspiel die entsprechenden Schlüsse ziehen, kündigte Hiddink noch an. Was kam, ist bekannt: England verlor in Moskau – und später auch noch in Wembley gegen bereits qualifizierte Kroaten. Die britische Presse nannte McClaren daraufhin „The wally with the brolly“ (Der Trottel mit dem Schirm), weil er nicht nur die EM-Qualifikation verbaselt, sondern sich während des Spiels auch noch unmännlich unter einem riesigen Schirm vor dem bisschen Platzregen versteckt hatte.

Steve McClaren ist also weder Taktikgenie noch echter Kerl. Dass er aber durchaus auch etwas richtig macht, beweisen Erfolge wie jetzt die Niederländische Meisterschaft mit Twente Enschede und zuvor schon der Einzug ins Uefa- Cup-Finale mit dem FC Middlesbrough. Provinzklubs nach vorn zu führen, scheint seine Spezialität zu sein. Da ist McClaren in Wolfsburg die richtige Wahl. Und er passt ins Beuteschema des Dieter Hoeneß: Dem VfL-Manager wird nachgesagt, dass er keine Trainerstars neben sich duldet. Auch da hat McClaren die richtigen Referenzen. Vor seiner Zeit in Middlesbrough hat er sich zwei Jahre lang im Schatten eines großen Egos erprobt – als zweiter Mann hinter Sir Alex Ferguson bei Manchester United.

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