Sport : Von Telefonen und Schokolade

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André Görke über die Allgegenwärtigkeit des David Beckham

Es ist in diesen Tagen nicht einfach, David Beckham zu entkommen. Die englische Meisterschaft ist längst zu Ende, Länderspiele stehen nicht an, kurzum: David Beckham spielt zurzeit nicht Fußball. Dennoch ist er allgegenwärtig: mit seinem Wechsel nach Madrid, der unvermeidlichen Gattin „Posh Spice“ und – pling! – da kommt die nächste Agenturmeldung. Zitiert wird David Beckham auf PromotionTour in Japan: „Meine Familie ist mir sehr wichtig. Deshalb benutze ich kein Mobiltelefon, wenn ich Auto fahre. Sie sollten das auch nicht tun.“

Schon klar: Handy am Steuer, das wird teuer, 30 Euro Strafe und so. Nur: Haben Sie eigentlich mal in Ihren Arbeitsvertrag geguckt, Herr Beckham? Sie stehen noch exakt neun Tage bei Manchester United unter Vertrag. Auf Ihrem Trikot dort steht ganz groß: „V-O–D–A–F–O–N–E“ – ein Unternehmen aus der Kommunikationsbranche, das Ihrem Arbeitgeber in Manchester 12 Millionen Euro jährlich überweist.

Gewiss, Sie wollten den Werbepartner Ihres So-gut-wie-ex-Arbeitgebers nicht verärgern und die Fans schon gar nicht auffordern, nicht zu telefonieren. Immerhin wirbt auch Ihr künftiger Klub Real Madrid auf seinen Trikots für Siemens Mobile, den Mobilfunk-Ableger eines großen deutschen Unternehmens … – pling! – da meldet sich erneut die Agentur. Wieder Beckham, wieder Tokio. „Japaner haben Beckham zum Vernaschen gern“, steht da. In Tokio wurde jetzt ein übermannsgroßer Schokoladen-Beckham enthüllt, und das menschliche Abbild des Schokoladenriesen sagt: „Ich bin mir sicher, die Schokolade schmeckt total lecker!“

Herr Beckham! Wenn Sie schon erkannt haben, dass Telefonieren am Steuer gesundheitsschädigende Folgen zeitigen kann – warum haben Sie dann noch nie über den kausalen Zusammenhang zwischen Schokolade und Zahnschmerzen nachgedacht? Millionen von Beckham-Groupies werden Ihren Worten vertrauen und die Beckham-Schokolade kaufen. Ach so, das war der Sinn Ihres Statements, weil der Schokoladen-Hersteller Ihnen viel Geld dafür bezahlt… natürlich, erst freut sich Ihr Bankkonto, dann die Not leidende Branche der Zahnärzte.

Herr Beckham, je mehr wir von Ihnen lesen, desto sehnlicher wünschen wir uns, Sie wären nicht nach Madrid gewechselt, sondern zum FC Barcelona. Der hat nämlich keinen Trikotsponsor, und es wäre endlich Ruhe im Karton.

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