• Von Vorfreude auf das Sportereignis ist nichts zu spüren - statt dessen wird über Sicherheitsprobleme diskutiert

Sport : Von Vorfreude auf das Sportereignis ist nichts zu spüren - statt dessen wird über Sicherheitsprobleme diskutiert

Thomas Roser

Das Ziel aller Mühen kommt für die Organisatoren des Fußball-Europameisterschaft allmählich in Sicht. Doch einen Tag vor der Auslosung in Brüssel und ein halbes Jahr vor dem Eröffnungsspiel ist in Belgien und den Niederlanden von Vorfreude nichts zu spüren. Es werde nur über Kosten, Sicherheits- und Transportprobleme gemeckert, klagt der belgische Turnierdirektor Alain Courtais: "Lasst uns endlich aufhören, nur über Probleme zu sprechen. Denn die Chance, sich sieben Milliarden Fersehzuschauern zu präsentieren, erhalten wir kein zweites Mal."

Auch sein niederländischer Amtskollege Harry Been bedauerte in den heimischen Medien wiederholt den "Mangel an Enthusiasmus". Die Tageszeitung "De Volkskrant" bezeichnet die EM-Stimmung bei den Gastgebern als "weit unter jeglichem Niveau" und fordert ihre Leser auf, dem Turnier endlich die Würdigung angedeihen zu lassen, die es verdiene: "Es muss nun einmal geschrieben sein: Die EM ist das größte und schönste Sportereignis, das hier jemals stattgefunden hat."

Doch trotz aller Apelle, endlich auch die positiven Seiten des nahenden Großereignisses zu würdigen, sind es nach wie vor die ungelösten Probleme im Vorfeld des Turniers, die für Schlagzeilen sorgen. Vor allem die Furcht vor gewalttätigen Ausschreitungen, der Streit der Spielstädte mit dem Sportmarketingbüro ISL und das Desinteresse der Politik überschatten die EM-Vorbereitungen.

Nicht nur die zentrale Lage der beiden EM-Gastgeber, die geringen Abstände zwischen den Spielstädten und die Tatsache, dass Gesetzgebung und der Polizeiapparat zweier Länder aufeinander abgestimmt werden müssen, erschweren die Sicherheitsvorkehrungen. Mit den englischen, deutschen und niederländischen Hooligans drohen sich bei der EM die am meisten gefürchteten Rowdys des Kontinents ein Stelldichein zu geben. Die Qualifikation der Türkei hat den Organisatoren ein zusätzliches Konfliktpotenzial beschert. Bei Spielen der Türken gegen eines der Gastgeberländer werden Ausschreitungen in Städten mit einem hohen Ausländeranteil befürchtet.

Zum Ärger der Polizeiverbände nehmen die zuständigen Ministerien trotz der sich abzeichnenden Probleme eine erstaunlich abwartende Haltung ein. Bei der Polizei herrsche "Unruhe" über den Stand der Sicherheitsvorkehrungen, warnte schon vor einigen Wochen Joop Vogel, der Chef der niederländischen Polizeigewerkschaft ACP. "Die Zeit drängt, aber es geschieht nichts." Den Haag bereite sich zu lax auf das Großereignis vor, kritisierten im Parlament selbst Abgeordnete der Regierungsparteien. Auch ein im Oktober veröffentlichter Untersuchungsbericht über die Rotterdamer Ausschreitungen der gefürchten Feyenoord-Anhänger im April wirkte nicht gerade beruhigend. Die Kenntnisse der zuständigen Behörden über die Hooliganszene seien sehr gering, die Polizei viel zu schlecht ausgerüstet, bemängelten die Verfasser des mit großer Spannung erwarteten Rapports.

Für ständige Querelen hat in den letzten Monaten auch der Konflikt der Spielstädte mit der Schweizer Sportmarketing-Firma ISL gesorgt. Die ISL, die von der Uefa die Verwertungsrechte an der EM erworben hat, will die offiziellen Sponsoren vor "Marketing-Piraten" schützen. Den von ihr aufgestellten Forderungskatalog für Veranstaltungen rund um die EM wollen die meisten Spielstädte jedoch nicht akzeptieren. Das böse Wort von den "Knebelverträgen" macht die Runde. Denn die Verbannung der Werbetafeln von Konkurrenten der EM-Sponsoren aus dem Stadtbild empfinden sie ebenso als unzumutbar wie die ISL-Auflagen für die Suche nach lokalen Sponsoren für das EM-Beiprogramm.

Mit Rotterdam und Charleroi haben sich bisher nur zwei der acht Spielstädte mit der ISL geeinigt. Einige der anderen Städte haben angekündigt, auf die Verwendung des offiziellen EM-Logos gänzlich zu verzichten. Amsterdams zuständiger Dezernent Hans Groen hat schon mal angekündigt, er habe "keine Lust, für die ISL den Bewacher ihrer Marketing-Rechte zu spielen".

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