Sport : Von wegen Freundschaftsspiel

Die eigentlich belanglose Partie zwischen Dortmund und Bayern entwickelt sich zu einem hitzigen Duell.

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Wir sehen uns in Wembley. Rafinha (links) verabschiedet sich von Blaszczykowski. Foto: AFP
Wir sehen uns in Wembley. Rafinha (links) verabschiedet sich von Blaszczykowski. Foto: AFPFoto: AFP

Dortmund - Das Finale begann in der 63. Minute, als Bayerns brasilianischer Außenverteidiger Rafinha seinem Gegenspieler Jakub Blaszczykowski auf der rechten Außenbahn im Zweikampf rüde den Ellbogen ins Gesicht knallte und für diese überharte Attacke vom Platz gestellt wurde. Die Dortmunder Südtribüne erbebte vor Wut, Rafinha griff beim Weg vom Feld seinem Gegenspieler ins Gesicht, auf dem Rasen gab es Rudelbildung, BVB-Trainer Jürgen Klopp geriet lautstark mit Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer aneinander.

Plötzlich war richtig Feuer in einer Partie, die zuvor in vielen Phasen ein wenig vor sich hingeplätschert war. Dank der letzten halben Stunde aber weiß man jetzt ziemlich genau, was zu erwarten ist, wenn beide Mannschaften das nächste Mal aufeinandertreffen. Am 25. Mai, wenn es nicht um Ligapunkte geht, sondern im Finale von Wembley um den Titel in der Champions League. So weit ist es noch nicht. Am Ende einer doch noch aufregenden Generalprobe trennten sich Borussia Dortmund und Bayern München nach Treffern von Kevin Großkreutz und Mario Gomez mit 1:1 (1:1). Es sei nicht einfach gewesen, nach den Erlebnissen der Champions-League- Halbfinals in Madrid und Barcelona zur Tagesordnung überzugehen, sagte Bayerns Trainer Jupp Heynckes. „Wir haben dann doch noch ein sehr intensives Spiel erlebt. Viel Würze, viel Action.“

Das kann man durchaus so sehen, auch wenn eine ganze Reihe klangvoller Namen fehlten: Götze, Reus und Hummels auf der einen Seite, Schweinsteiger, Lahm, Müller, Martinez, Ribéry und Robben auf der anderen – eine ganze Menge an geballter Weltklasse schaute zu. Drei Wochen vor dem Champions-League- Finale mochten sich weder der alte noch der neue Deutsche Meister wirklich in die Karten schauen lassen. Wer mochte den beiden Trainern ihre personellen Rochaden auch ernsthaft verdenken?

Auf dem Feld sah es so aus: ein bisschen Abtasten, ein bisschen reinschnuppern, bloß nicht zu viel verraten, obwohl sich beide Mannschaften sowieso schon in- und auswendig kennen. „In drei Wochen ist alles anders“, sagte Klopp, „dieses Spiel hat überhaupt keine Bewandtnis.“ Da wird ihm im gegnerischen Lager niemand ernsthaft widersprechen. Und doch wurden auch schon gestern 90 Minuten absolviert. Weil es der Spielplan so vorsah, und weil es immer reizvoll ist, wenn Borussia Dortmund und Bayern München aufeinandertreffen.

Dortmund erwischte den besseren Start, kombinierte sicher und kam nach zehn Minuten zum Führungstreffer, der wirklich sehenswert war: Flanke Blaszczykowski, Direktabnahme Großkreutz, der Ball rauschte unter der Latte ins Tor. Bayern wehrte sich und kam nach etwas mehr als einer halben Stunde zum Ausgleich, als die Hintermannschaft des BVB unsortiert war: Marcel Schmelzer konnte die Flanke von links nicht verhindern, Neven Subotic stand nicht richtig, und Gomez nutzte die Unpässlichkeit zum Ausgleich.

Die Münchner waren nun wesentlich besser im Spiel, ohne echte Torgefahr zu entwickeln. Zu Beginn der zweiten Hälfte übernahm dann der BVB wieder die Initiative und hätte durchaus für die Entscheidung sorgen können. Die größte Chance vergab Robert Lewandowski, der mit einem Handelfmeter am großartig reagierenden Manuel Neuer scheiterte. Kurz darauf setzte Santana einen Kopfball knapp über das Tor. Klopp konnte es verschmerzen, auch wenn er fand, es wäre „wesentlich cooler gewesen, mit 2:1 zu gewinnen. Aber auch so haben wir Platz zwei jetzt ziemlich sicher und damit unser erstes Saisonziel erreicht.“ Ein weiteres bleibt noch. In Wembley. Felix Meininghaus

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