Sport : Von wegen Souverän

Hartmut Scherzer

Bayer Leverkusen bietet zur Zeit nichts Berauschendes. Der Mannschaft fehlt die Souveränität, mit ihrer drückenden Überlegenheit und einem Dutzend bester Chancen gegen einen harmlosen Gegner wie Energie Cottbus für klare Verhältnisse zu sorgen. So fiel das beruhigende 2:0 erst, als es zu diesem Zeitpunkt keiner Beruhigung mehr bedurfte: mit dem Schlusspfiff. Es dauerte bis zur 90. Minute, bis die eingewechselten Thomas Brdaric (Passgeber) und Dimitar Berbatow (Torschütze) mit einem Konter das Endergebnis sicherstellten. "Wir mussten höllisch aufpassen, dass wir zum Schluss nicht mit leeren Händen, also mit nur einem Punkt, dastehen", sagte Leverkusens Trainer Klaus Toppmöller erleichtert. Und Manager Reiner Calmund fügte hinzu: "Wenn man hundert Chancen vergibt, dann zittert man bis zum Schluss, dass ja nicht noch das 1:1 fällt."

Ze Robertos frühes Führungstor konnte der Mannschaft nur in der ersten halben Stunde Sicherheit geben. Bayer kontrollierte Spiel und Gegner, verschluderte aber serienweise beste Torgelegenheiten, darunter einen Foulelfmeter von Ulf Kirsten (55.). So stand das Spiel, wie Toppmöller einräumte, bis zum Schluss "auf der Kippe". Aber in dieser Woche wurden die Ziele erreicht: ins Pokalfinale eingezogen, die Tabellenführung behauptet. Was will man mehr.

Zum Thema Bundesliga aktuell: Ergebnisse und Tabellen
Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Von wegen Rotation angesichts der dreifachen Belastung: In Standard-Bestbesetzung war Leverkusen angetreten. Schließlich steckte den Bayer-Profis noch die 1:3-Heimschlappe gegen die Lausitzer vor einem Jahr im Hinterkopf. "Wer kaputt ist, der spielt eben gegen Juventus Turin am Dienstag nicht", sagte Manager Calmund zum Gerede von der Frische. Die Prioritäten waren also klar gesetzt: Meisterschaft vor Champions League. Michael Ballack hatte sich trotz einer Erkältung "zur Verfügung gestellt", so Toppmöller, und wäre auch ausgewechselt und geschont worden, wäre das erlösende 2:0 früher gefallen.

Die zweite Halbzeit war eine Sammlung vergebener Torchancen Bayers, angefangen bei Kirsten, der allein vor Torhüter Piplica und dann mit dem Strafstoß nicht ins Tor traf. Huijdurovic schaufelte den Ball nach einem Schuss Ballacks von der Linie. Auch Neuville brachte den Ball nicht im Cottbuser Tor unter. Dann vergab Berbatow, der für Kirsten eingewechselt worden war, allein drei hochkarätige Gelegenheiten, ehe er Piplica schließlich doch noch mit besagtem Tor überwand.

Mit voller Konzentration war die halbe Kraft gegen einen Gegner zu sparen, der sich nur in der eigenen Hälfte aufhielt und nach dem Motto spielte: Der Ball ist dein Feind. "Wir waren nervös, hatten nicht den Glauben, dass man überall eine Chance hat. Wir haben laufend katastrophale Fehler gemacht, den Ball dem Gegner in die Beine gespielt. Was wir nach vorne gebracht haben, war zu wenig. Das war enttäuschend", lautete das nüchterne Fazit von Trainer Eduard Geyer.

0 Kommentare

Neuester Kommentar