Sport : Von Wunschverein zu Wunschverein

Wie in München aus dem fröhlichen Falko der ernste Herr Götz wurde

Daniel Pontzen

Am Ende blieb Falko Götz nichts, als die Unmenschlichkeit des Geschäfts mannhaft zu ertragen. Als „nächste Ziffer in der durchnummerierten Zahlenreihe vorzeitig entlassener Bundesligatrainer“ fühlte er sich, nachdem er gefeuert worden war von seinem „absoluten Wunschverein“, wie er 1860 München am Tag seiner Einstellung genannt hatte. Die Entlassung ist knapp drei Wochen her, und 1860 ist schon nicht mehr letzte Ziffer in der Zahlenreihe der von Götz trainierten Profiklubs. Die anderen beiden Nummern sind identisch: Hertha BSC war Götz’ erste Trainerstation, und sie wird seine dritte sein. Doch in zwei Monaten kommt nicht derselbe Übungsleiter nach Berlin, den die Hertha-Fans 2002 nur ungern ziehen ließen. Schon bei 1860 hatte Herr Götz den fröhlichen Falko abgelöst.

Was Götz an der Aufgabe in München seinerzeit reizte, war die Chance, einem Team Götzsches Profil zu verleihen. Professionalität war eines der Worte, die Götz am häufigsten verwendete; es war das Prinzip, das seine Arbeit bestimmte. Götz konstruierte eine Struktur, die Abteilungen unterschied wie „Scouting Jugend europäisches Ausland“ und „Scouting Jugend außereuropäisches Ausland“. Geschliffen im Ausdruck und sicher im Auftritt wusste er seine Konzepte souverän zu verkaufen. Gegen den Mief der Werner-Lorant-Ära, der sich auch unter dessen Nachfolger Peter Pacult noch nicht verzogen hatte, wirkte Götz wie die pure Frische. Für 1860 schien er die Optimallösung zu sein. Erst recht, als er durch den Einsatz junger Spieler das Graue-Maus- Image des Vereins eliminieren wollte.

Im Rückblick lässt sich jedoch eine ernüchternde Bilanz ziehen: Dass Götz in seiner ersten Halbserie eine schlechtere Schlussrechnung aufwies als Vorgänger Pacult, nahm die Klubführung noch gelassen hin. In dieser Saison jedoch holte 1860 weniger Punkte als je zuvor seit dem Aufstieg 1994. Gerade gegen stärkere Teams wirkte Sechzig oft überfordert. Auf Unverständnis stießen Götz’ Entscheidungen, Führungsspieler auf die Bank zu setzen. Selbst der zurückhaltende Präsident Karl Auer sah sich genötigt, Benjamin Lauths Nichtnominierung zu beanstanden. In der Mannschaft, die Götz mitunter wenig zimperlich öffentlich kritisierte, hatte er eher die Stellung eines Abteilungsleiters inne als die des Kompagnons.

Bei vielen aber hat Götz den Kredit erst am Tag seiner Entlassung verspielt, als er bereitwillig dazu beitrug, dass sich 1860 den Spott der Republik erwarb. Auf der Pressekonferenz spielte er den Unwissenden, ließ sich von Journalisten über seine Entlassung informieren, obwohl er schon wusste, dass er bei einer Niederlage würde gehen müssen. Einige Tage später hat sich Falko Götz jedoch großzügig gezeigt. Seinem Nachfolger bei 1860 wünsche er „aus tiefstem Herzen das, was ich dem Verein wünsche: dass er am Ende dieser Saison dort steht, wo er mich entlassen hat: auf einem Nichtabstiegsplatz.“ Gut möglich, dass er das seit gestern ein wenig anders sieht.

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