Sport : VOR BEGINN DER FORMEL-1-SAISON: Zuversicht im Lager der "Silberpfeile"

HARTMUT MOHEIT

McLaren-Mercedes präsentiert den neuen Rennwagen und setzt auf die Kraft von 770 PSVON HARTMUT MOHEIT BARCELONA.Geradezu andächtig nahm Mika Häkkinen sein neues Arbeitsmittel in Augenschein.Kurz zuvor hatte der Finne zusammen mit seinem Teamkollegen David Coulthard am Rande des "Circuit de Catalunya" das Geheimnis um den neuen McLaren-Mercedes, das eigentlich keines war, medienwirksam, aber viel zurückhaltender als bei der Präsentation vor zwölf Monaten, gelüftet.Natürlich ist auch der neue MP4-13, so die offizielle Bezeichnung des Formel-1-Boliden für die aktuelle Saison, wieder ein Silberpfeil.Einen Tag zuvor war er direkt aus dem britischen Woking, wo eine spezielle Designer-Gruppe im McLaren-Werk für die Lackierung verantwortlich zeichnete, in die Hauptstadt Katalaniens gebracht worden.Die "Hausfarbe" Orange als Zwischenlösung wird nunmehr bis zum Saisonstart am 8.März in Melbourne von den Testkursen verbannt bleiben.McLaren-Mercedes zeigt seit gestern in Barcelona wieder Flagge. "Alles an dem neuen Fahrzeug ist gewöhnungsbedürftig.Es fängt mit der Sitzposition an, hört aber mit dem völlig veränderten Fahrverhalten nicht auf", so Mika Häkkinen, dem in seinem 96.Grand Prix beim vorjährigen großen Finale von Jerez der erste Sieg gelungen war."Ein gutes Omen für die Rennen 1998", gab sich auch sein schottischer Teamkollege David Coulthard zuversichtlich, der 1997 in Melbourne und Monza dominierte, "diesmal wollen wir mehr erreichen." Damit hatte es sich in Sachen Optimismus aber auch schon.Denn eines will man bei McLaren-Mercedes auf keinen Fall akzeptieren - von den schärfsten Kontrahenten schon vor dem ersten Rennen auf den Favoritenschild gehoben zu werden."Wir reichen dies an Williams und Ferrari weiter", wiederholte Mercedes-Sportchef Norbert Haug die bereits Anfang Februar in Woking gemachte Aussage."Hochmut kommt schließlich vor dem Fall - bei uns vor dem Ausfall." Dabei war auch in Barcelona viel Gelassenheit und Zuversicht in den Reihen der "Silbergrauen" zu verspüren.Der späte Einstieg in die heiße Testphase beunruhigt niemanden.Während beispielweise Ferrari mit Michael Schumacher bereits ganze Renndistanzen erfolgreich absolviert hat, gab es bei McLaren-Mercedes bisher lediglich den "Roll out" in Le Castellet sowie ein paar Coulthard-Trainingsrunden am vergangenen Freitag.Sein Auto ist längst wieder in Woking, während nunmehr das Häkkinen-Gefährt seine Premieren-Runden bekam.Die Zuversicht, ja geradezu die Konkurrenz reizende Gelassenheit im Team, beruht vor allem auf zwei Details: Aerodynamik und Motor. Praktisch bis zur letzten Sekunde hat der Technische Direktor - der als Guru gehandelte Brite Adrian Newey kam von Williams - in über 12000 Windkanal-Stunden an jeder nur möglichen Verbesserung gearbeitet, um mit einem optimalen Entwicklungsstand in die Strecken-Praxis einsteigen zu können.Und dann ist da noch das Herzstück des McLaren-Mercedes aus der Filiale Ilmor, deren Kopf nach wie vor der Schweizer Mario Illien ist.350 000 Mark kostet ein Aggregat, daß nur 107 kg wiegt, unter Rennbedingungen 600 km durchhalten und über 770 PS verfügen soll.Über ein Kraftpaket dieser Güte, von denen 50 für die Saison gebaut werden, verfügt kein anderes Team. Die Vorraussetzungen für McLaren-Mercedes könnten also besser nicht sein, zumal die Klasse der beiden Fahrer außer Frage steht.Es paßt zur Präsentation in Barcelona, daß auch die ersten Silberpfeil-Runden 1998 komplikationslos verliefen.David Coulthard drehte sie - und Mika Häkkinen verfolgte sie immer noch in sich gekehrt.Der Countdown kann beginnen.

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