Sport : VOR DEM ABSTIEG IN DER JUDO-BUNDESLIGA: SC Berlin sieht den Strohhalm

HARTMUT MOHEIT

BERLIN ."Man gebe mir eine halbe Million, dann werde ich im kommenden Jahr mit meinem Team auch Deutscher Meister".Jochen Bech, Judo-Trainer am Bundesstützpunkt in Berlin und gleichzeitig verantwortlich für die Bundesliga-Mannschaft des SC Berlin, ist wenigstens der Galgenhumor noch nicht vergangen.Seine Amateurtruppe ist nämlich auf dem besten Wege, in Zweitklassigkeit zu versinken.Zwar stehen noch Heimkämpfe gegen Walheim (Sonnabend ab 16 Uhr im Sportforum) und am 4.Juli gegen Kronshagen (Bech: "Mit einem Sieg gegen den TSV könnten wir das Schlimmste noch verhindern") auf dem Programm, aber die Chancen sind gering.An die Erfolge des SC Berlin im Europacup - mit dem Höhepunkt des Pokalsieges 1992 in Stade Pierre de Coubertin in Paris - können sich heute bereits nur noch sehr wenige erinnern.

Viel, zu viel, ist seitdem negativ gelaufen.Während die Konkurrenz zum Teil finanziell aus dem vollen schöpfen und prominente Ausländer noch und noch aufbieten konnte, erlebte der SC Berlin eine Pleite nach der anderen.Als dann die "Schatulle" gänzlich leer war, auch noch die Aushängeschilder Martin Schmidt und Frank Möller ins Bundesliga-Team nach Frankfurt (Oder) gewechselt waren, ging es deutlich bergab."Wenn wir doch dieses Jahr in der Erstklassigkeit überstehen könnten, dann ginge es im kommenden Jahr bestimmt wieder aufwärts", hat Bech die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben.Der SC Leipzig ist für den 48jährigen das Vorbild, wie mit eigenem Nachwuchs die Wende geschafft werden kann."Und dieser Nachwuchs hat etwas auf dem Kasten.Überhaupt werden wir nicht nach unseren Bundesliga-Kämpfen beurteilt, sondern danach, wieviel Kämpfer wir zu internationalen Höhepunkten bringen", sieht Detlef Ultsch die Situation als nicht gar so schlimm an.Der zweimalige Weltmeister und heutige Nachwuchs-Bundestrainer sieht zwar die "zusätzliche Wettkampfmöglichkeiten für die Talente" als nützlich an, aber eben nicht als ein Muß.

Ultsch-Junior, jüngst als Deutscher Meister geehrt, gehört zu denjenigen, die in Zukunft die Kastanien aus dem Feuer holen sollen.Auch von Axel Kodlin, Jens Oberblöbaum, Sascha Lange und Ingo Rusik verspricht sich Bech viel, ohne allerdings zu wissen, ob nicht später die potenten Vereine wieder den Scheinen wedeln.Garantiert wird es so sein.Solange die finanzielle Basis auch in Zukunft nicht stimmt - für Zweibundesligisten gibt es nicht einmal mehr die Fahrtkosten zurück -, hat das Unternehmen Bundesliga in Berlin keine Chance.Die hervorragende Talente-Förderung bei diesem Club ist oft gewürdigt worden.Und dennoch droht der Abstieg.

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