Vor dem Auftakt : Herthas Suche nach dem verlorenen Ziel

Vor dem Bundesliga-Auftakt gegen Hannover im Olympiastadion verpflichtet Hertha einen neuen Schweden, ist sich seiner Rolle aber noch unsicher.

Claus Vetter
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Ein Großer! Herthas Neuer, der Schweder Rasmus Bengtsson, ist 1,85 Meter groß. -Foto: AFP

Berlin - Gute und günstige Spieler suchen sie bei Hertha BSC. Besonders für die Innenverteidigung, in der der Verlust des nach Hoffenheim abgewanderten Josip Simunic so groß zu sein scheint, dass ihn beim Berliner Fußball-Bundesligisten nun gleich drei neue Profis ersetzen könnten: Christoph Janker, Nemanja Pejcinovic oder Rasmus Bengtsson. Gestern hat der schwedische U-21-Nationalspieler von Trelleborg FF einen Vertrag bis 2012 in Berlin unterschrieben. Seine Ablösesumme soll bei 400 000 Euro liegen.

Günstig gefunden – aber ist Bengtsson auch gut? Der 23 Jahre alte Schwede, 1,85 Meter groß, entspricht dem Anforderungsprofil von Kapitän Arne Friedrich nur bedingt. Friedrich hatte sich für die Innenverteidigung noch einen Partner von „größerer Statur“ gewünscht. Herthas Manager Michael Preetz sagt allerdings, dass er sehr froh über die Verpflichtung sei: „Bengtsson wurde von vielen europäischen Spitzenklubs umworben.“

Prima, dann kann es ja losgehen. Endlich. Saisonstart in der Bundesliga. Der Zeitpunkt, um Ziele zu formulieren. Lucien Favre schüttelt den Kopf. Nein, nein, mal nicht so schnell, nicht bei Hertha. Der Trainer sagt erst einmal, dass er sich auf das erste Punktspiel am Sonnabend gegen Hannover 96 freue. „Aber“, lange Sprechpause, „aber, es wird schwer, und ich kann jetzt noch nicht über Saisonziele sprechen. Schließlich dauert die Transferperiode ja noch bis Ende August.“ Laut Michael Preetz ist auch für die offensive Abteilung noch Verstärkung angedacht. „Wir sind da noch in der Phase der Sondierung.“ Dass sich Trainer und Manager im Nebulösen tummeln, ist verständlich. Schließlich kann der sensationelle vierte Bundesliga-Platz aus der Vorsaison eine Bürde für eine Mannschaft sein, die noch keine fertige ist. Lucien Favre sagt: „Ein Spieler mehr kann den Unterschied ausmachen.“

Hertha versucht nicht nur Spieler zu finden, sondern auch sich selbst. Da sollte es die Berliner allerdings freuen, dass am Sonnabend ein Gegner ins Olympiastadion kommt, der sich noch viel weniger gefunden hat. In Hannover stimmt nach dem peinlichen Scheitern im DFB-Pokal, dem 1:3 bei Viertligist Trier, so gut wie gar nichts. Ärger um Trainer Dieter Hecking, Verletzte und dazu kommt noch der Schweinegrippen-Vorfall in der U-23-Mannschaft. Die Hannoveraner werden womöglich nur mit 17 Profis nach Berlin reisen. „Derzeit habe ich zwei Torhüter und 15 Feldspieler zur Verfügung“, hatte Trainer Hecking gesagt.

Nicht eben wenige Beobachter vermuten, dass die personell kaum stärker gewordenen Hannoveraner in dieser Saison in den Abstiegskampf verwickelt werden können. Insofern erstaunt, dass Favre sagt: „Hannover kann eine der Überraschungen der Saison werden.“ Zunächst einmal aber will Hertha die Überraschungsmannschaft überraschen. Denn mit einem guten Start ließen sich die Ziele dann vielleicht doch definieren. Zumal auch international etwas möglich ist. Am Freitag weiß Hertha, gegen wen es in der Europa League geht (Eurosport überträgt die Auslosung ab 13.30 Uhr live).

2010 wolle er um einen Titel mitspielen, hatte Favre vor zwei Jahren bei Amtsantritt formuliert. Zu Beginn der Saison 2009/2010 sagt er: „Es kann schwierig werden für uns. Und es kann sehr schnell gehen. Man hat das bei Wolfsburg gesehen. Nach der Vorrunde der vergangenen Saison waren die Neunter, dann wurden sie Meister.“ Hoppla, fast hätte sich Favre verrudert. Natürlich habe er jetzt nicht gesagt, dass Hertha Meister wird. Er meine nur, dass es eben schnell gehen könne – nach oben oder nach unten. Aber das ist bei Hertha noch schwer zu sagen.

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