Vor dem Derby : Halber Mut wird Union nicht reichen

Der 1. FC Union droht wieder in die Abstiegszone zu rutschen. Und nun steht am kommenden Wochenende das Derby bei Hertha BSC an.

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Uwe Neuhaus hatte Redebedarf. So wie immer, wenn der Trainer des 1. FC Union mit der Leistung seiner Spieler nicht zufrieden ist. Dann dauern die Spielbesprechungen beim Berliner Zweitligisten in der Regel etwas länger als gewöhnlich. So wie gestern. Neuhaus hatte eine Dreiviertelstunde mit der Mannschaft gesprochen, ehe sich diese zum Auslaufen in den Köpenicker Wald begeben durfte.

Was Neuhaus im Detail sagte, wollte er nicht verraten. Dass Unions Trainer sich nach außen bedeckt hält, ist nicht neu – die Art und Weise, wie seine Mannschaft das Heimspiel gegen Paderborn verlor, dagegen schon. Im Stadion An der Alten Försterei hatte Union meistens zu überzeugen gewusst, am Sonntag war von der Heimstärke jedoch nichts zu sehen. Ideenlos im Angriff, fahrig in der Abwehr – es war die bisher schwächste Leistung in der Rückrunde. Das sah auch Neuhaus so: „Insgesamt haben wir eine schlechte Leistung gezeigt, die mit einer verdienten Niederlage endete.“

Und nun steht am kommenden Wochenende das Derby bei Hertha BSC an. Mitten in die sportliche Dürreperiode muss Union beim Aufstiegsfavoriten vor knapp 75 000 Zuschauern im ausverkauften Olympiastadion bestehen. Die Situation ähnelt der vom vergangenen September. Damals legte Union ebenfalls einen schwachen Start hin, das 0:3 von Paderborn am dritten Spieltag kam einer sportlichen Bankrotterklärung gleich. Vor dem Derby gegen Hertha BSC wurde der Mannschaft kaum eine Chance eingeräumt und dann erkämpfte sich Union mit einer leidenschaftlichen Darbietung im eigenen Stadion einen Punkt.

Es gutes Omen also? „Das ist absoluter Quatsch“, sagt Neuhaus. „Mit einem Sieg gegen Paderborn wären wir viel befreiter ins Olympiastadion gefahren.“ Nach zwei Niederlagen in Folge ohne Torerfolg steht Union am Sonnabend unter Druck. Am Wochenende konnten bis auf Bielefeld alle Konkurrenten im unteren Tabellendrittel punkten, der Abstand zum Relegationsplatz ist bis auf drei Zähler geschmolzen. „Das Derby erfolgreich zu gestalten, wäre ein Ansatz, das Spiel gegen Paderborn vergessen zu machen“, sagt Neuhaus.

Die Voraussetzungen dafür könnten allerdings günstiger sein. Gegen Paderborn musste Michael Parensen zur Halbzeit verletzt vom Platz. Der vielseitig einsetzbare Linksfuß weilte gestern beim Arzt, „es besteht aber Hoffnung“, sagte Neuhaus mit Hinblick auf Parensens Einsatzchancen für Sonnabend. Im Hinspiel hatte der 24-Jährige gegen Hertha seine vielleicht beste Leistung im Trikot des 1. FC Union gezeigt, sein Fehlen im Rückspiel wäre ein großer Verlust. Auch Patrick Kohlmann und Dominic Peitz sind nach Krankheit beziehungsweise Verletzung noch nicht zu hundert Prozent wiederhergestellt. Von der personellen Situation will Neuhaus die Taktik für das Spiel gegen Hertha abhängig machen. Egal wer am Sonnabend aufläuft, wichtig ist, „dass wir gut stehen“, wie Neuhaus sagt. Er meint damit, seine Mannschaft müsse vor allem in der Defensive geordnet auftreten, denn „Hertha hat vom Niveau her eine Erstligamannschaft“.

Dass man mit Hertha mithalten kann, „war ja im Hinspiel zu sehen“, sagt Uwe Neuhaus. Daran wird er seine Spieler am Montag noch einmal ausführlich erinnert haben.

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