Vor dem Derby Union gegen Hertha : Herzrasen

Beim Derby zwischen Hertha und Union schaut ganz Berlin auf 22 Beinpaare. Nur zwei Greenkeeper, Engländer und Schotte, blicken besorgt auf den Rasen darunter.

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„Die werde ich meinen Mitarbeitern vorschlagen.“ Alan Cairncross preist beim Fototermin die Vorzüge der Nagelschere bei der Rasenpflege. Foto: Georg Moritz
„Die werde ich meinen Mitarbeitern vorschlagen.“ Alan Cairncross preist beim Fototermin die Vorzüge der Nagelschere bei der...Foto: Georg Moritz

Derbys sind das Schlimmste. Dieser Kampf, dieser Einsatz, diese Grätschen. Am Fiesesten sind die Zweikämpfe, bei denen die Fußsohle nach unten klappt. Und die Stollenschuhe so richtig durch den Rasen pflügen. Alan Cairncross zuckt zusammen, als sei ihm gerade jemand durchs Herz gepflügt. „Das sieht kein Greenkeeper gerne“, sagt der Schotte, Platzwart bei Hertha BSC, mit breitem Akzent.

Oder noch schlimmer: Berliner Derby, 1. FC Union gegen Hertha, 90. Minute, ein Angreifer rennt aufs Tor zu. Ein Verteidiger könnte klären, aber bleibt im Rasen hängen und sieht stolpernd zu, wie die Entscheidung fällt. „Der worst case“, sagt Cairncross.

Oder am allerallerschlimmsten: Platzsturm. Fans rennen auf das Spielfeld und greifen im Überschwang der Gefühle nach allem, was sie zwischen die Finger bekommen. Ein großes Stück herausgerissener Rasen – „das tut schon beim Hinsehen weh“, sagt James Croft. Schließlich sei so ein Stück Rasen ja eine Herzensangelegenheit. Auch für ihn, den Platzwart des 1. FC Union. Croft stammt wie sein Kollege Cairncross bei Hertha von den britischen Inseln. Croft ist Engländer. Schotten und Engländer pflegen eine Rivalität bei so ziemlich allem, das man sportlich austragen kann. Geeint werden sie durch den Untergrund, sprich den Rasen. Das ist auch bei Croft und Cairncross so.

Wenn sich am Montag der Kleingartenverein aus Charlottenburg mit dem Schreberklub aus Köpenick auf dessen Parzelle trifft, wird Berlin 90 Minuten auf ein Stück Grün blicken. Darauf, was 22 Paar Beine veranstalten. Nur zwei Männer schauen auf den Rasen darunter. Und beten, dass alles heil bleibt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Wie sich die Greenkeeper auf das Derby vorbereiten.

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