Sport : Vor dem großen Spähangriff

Mathias Klappenbach über die Gründe für Oliver Kahns Suspendierung

Mathias Klappenbach

Die Mannschaftskabine eines Fußballvereins ist ein mystischer Ort. Hier gibt es diesen sagenumwobenen Pausentee, zu dem der Trainer häufig „deutliche Worte“ findet, die sich bei einer Ergebnisverbesserung in der zweiten Halbzeit dann als „die richtigen“ erweisen. Aufgebrachte Präsidenten entlassen hier schon einmal den Trainer, und die wenigen Augenblicke, in denen sich einmal die Türen öffnen und bei feierlichen Anlässen auch die Hüllen fallen, brennen sich für immer ins Gedächtnis.

Diese häufig schockierenden Einblicke in die Privatsphäre sind glücklicherweise rar. Doch der öffentliche und der veröffentliche Raum fressen sich immer weiter vor. Zuletzt haben dies die Schalker Profis Mladen Krstajic und Ivan Rakitic erfahren müssen, als ein sogenannter „Bild-Leserreporter“ ihren geselligen Besuch in einem Tanzlokal dokumentierte, was zu ihrer Suspendierung führte.

Daher ist es eine beruhigende Kunde, dass nicht en detail bekannt ist, warum ihr Berufskollege Oliver Kahn beim FC Bayern suspendiert worden ist. Der Hinweis von Philipp Lahm, „das ist in der Kabine zustande gekommen“, genügte als Erläuterung. Weitere Nachfragen verbaten sich von selbst, und soweit es bisher bekannt ist, hat auch keiner der Mannschaftskameraden in denunziatorischer Absicht die Videofunktion seines Handys aktiviert. Noch funktioniert sie, die letzte überwachungskamera- und lauschangriffsfreie Zone, in der auch ein Fußballprofi ein freier Bürger sein darf.

Richtig hart wird es erst, wenn in der Kabine des FC Bayern München als Spieler getarnte Leserreporter sitzen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben