Vor dem Nordderby : Alkohol-, Spruch- und Schalverbot

Hamburg und Bremen setzen vor ihrem Duell am Sonntag auf Deeskalation. In den Zügen von Bremen nach Hamburg herrscht am Sonntag striktes Alkoholverbot. Und von den 7.000 Werder-Fans sollte besser niemand einen Schal mit dem Aufdruck „Scheiß HSV“ tragen.

Frank Hellmann

Über Horst Hrubesch darf sich niemand beschweren. Der frühere HSV-Spieler und jetzige DFB-Trainer fingerte am Freitag als Glücksfee unter anderem auch für den Hamburger SV und Werder Bremen die Europa-League-Lose aus der Glasschale. Beide Nordklubs bekommen es nun in der Runde der letzten 32 mit niederländischen Teams zu tun: der HSV mit dem PSV Eindhoven, Werder Bremen mit Twente Enschede. Wer am 12. Mai – in Hamburg – das Finale dieses neuen Wettbewerbs bestreiten will, muss solche Hürden nehmen. Da auch das Achtelfinale schon vorgelost wurde, ist frühestens ab dem Viertelfinale Anfang April ein Nordderby auf internationaler Bühne möglich.

Am Sonntag sieht man sich dafür in Hamburg zum Hinrundenfinale der Bundesliga. HSV und Werder begegnen sich als Sechster und Fünfter, punkt- und fast torgleich. Doch eigentlich dürsten beide nach Höherem. Elementar ist für den HSV wie für Werder, in der nächsten Saison statt in der Europa League wieder in der lukrativen Champions League zu spielen, um die teuren Kader zu refinanzieren.

Klar ist, dass sich Werders Vorstandschef Klaus Allofs das wirtschaftliche Umfeld der Elbmetropole wünschen würde, während sich Hamburgs Boss Bernd Hoffmann wiederum nach der Kontinuität auf der Trainer- und Managerposition sehnt, die an der Weser gerade mit der Vertragsverlängerung von Thomas Schaaf vorgelebt wird. „Bei uns gab’s diesen extremen Wechsel“, gesteht Hoffmann, „sechs Trainer mit sechs verschiedenen Systemen in sieben Jahren machen vielleicht auch einen fehlenden Tick Stabilität aus in entscheidenden Momenten wie im April.“

Der April. Das Horrorszenario für jeden HSV-Sympathisanten. Vier Nordderbys binnen 19 Tagen, in denen die Hamburger alles verspielten: erst im DFB-Pokal-Halbfinale im Elfmeterschießen, dann im Uefa-Cup-Halbfinale, schließlich beim 0:2 im Weserstadion, dem Ende aller Bundesliga-Titelchancen. „Diese Schmach wird nicht mehr aus der Geschichte des HSV zu löschen sein“, stammelte damals der konsternierte Hoffmann, der im Nachhinein diese Wortwahl bereut. Er ist genau wie Allofs bemüht, die Fans vor dem Spiel am Sonntag zur Fairness aufzurufen. Dazu sind deeskalierende Maßnahmen in die Wege geleitet: Bremens Torwart Tim Wiese kommt keine kesse Ansage mehr über die Lippen, „sonst bin ich wieder der böse Junge“. In den Zügen von Bremen nach Hamburg herrscht am Sonntag striktes Alkoholverbot. Und von den 7000 Werder-Fans sollte niemand einen Schal mit dem Aufdruck „Scheiß HSV“ tragen – ansonsten wird ihm der Zutritt zur Arena versagt.

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