Vor dem Pokalspiel : Herthas Gegner gibt sich harmlos und lauert

Dass Meuselwitz vor Hertha im Pokalspiel nicht wie die Maus vor der Schlange erstarren wird, dafür steht auch das Vereinswappen: Es zeigt ein Krokodil.

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Man kennt sich. Hertha II spielte in der Regionalliga schon gegen Meuselwitz.
Man kennt sich. Hertha II spielte in der Regionalliga schon gegen Meuselwitz.Foto: picture alliance / City-Press Gb

Wer beim heutigen Pokalgegner von Hertha BSC, dem Zipsendorfer Fußballclub (ZFC) Meuselwitz, anruft, der landet bei einer Computerfirma. Die ist praktischerweise gleichzeitig die Geschäftsstelle, denn der Präsident des ZFC ist ja der Vorsitzende der Firma. Das Unternehmen hat Hubert Wolf 1992 gegründet, im selben Jahr, als er beim damaligen Kreisligisten ZFC einstieg. Wolf selbst hat zwar nie Fußball gespielt, ist aber in dem 11 000-Einwohner-Ort, der etwa 40 Kilometer südlich von Leipzig liegt, zur Schule gegangen. „Wo die Liebe eben hinfällt“, begründet der heute 42-Jährige, warum er den Verein übernahm und nach oben führte. Wolf jedoch als den Dietmar Hopp und Meuselwitz als das Hoffenheim der Vierten Liga zu bezeichnen, geht etwas zu weit. „Für uns ist die Regionalliga das Nonplusultra“, sagt Wolf mit einer derart gleichmütigen Stimme, dass sich alle Vermutungen von einem wilden Eroberungsfeldzug mit Ziel Bundesliga von selbst zerstreuen.

Es wäre in Hoffenheim auch nur schwer vorstellbar, dass millionenschwere Bundesliga-Profis wie Ryan Babel oder Vedad Ibisevic neben dem Fußball-Training in Hopps Software-Unternehmen Computerprogramme entwickeln. In Meuselwitz hingegen ist der Großteil der Mannschaft hauptberuflich in Wolfs Firma beschäftigt, „eine optimale Überschneidung von Fußball und Arbeit“ nennt es der Chef selbst. So ist Torjäger Sebastian Gasch eigentlich Sachbearbeiter im Marketingbereich und Trainer Holm Pinder Teamleiter im Wareneingang. Torwart Oliver Dix hat als einer der wenigen einen anderen Arbeitgeber, er ist Gefängniswärter. Profis gibt es in dem Klub nicht, „zwei Spieler wollten uns mal erpressen, aber die waren schnell wieder weg“, sagt Wolf.

Sein Geld investiert der Unternehmer lieber ins Stadion, das natürlich den Firmennamen trägt. Vier Millionen Euro waren es in den letzten vier Jahren, eine davon brachte der Verein selbst auf. Nachdem der Klub aus Thüringen schon vergangene Saison ein lukratives DFB-Pokal-Erstrundenmatch gegen den Bundesligisten 1. FC Köln bestritt, das 0:2 verloren ging, sollen durch das Spiel gegen Hertha auch die letzten Kreditraten fürs Stadion abbezahlt werden. Für das Match gegen die Berliner wurde die Kapazität noch einmal auf 8000 Zuschauer erhöht; sonst kommen zwischen 1000 und 2500 zu den Viertligaspielen. „Wir wissen, dass wir keine Chance haben“, sagt Wolf. Sogar gegen Herthas Amateure war Meuselwitz zuletzt chancenlos, verlor vergangene Saison in der Regionalliga Nord zweimal 0:1, schaffte aber als Tabellenelfter den Klassenerhalt. Und durch den Sieg im Thüringer Landespokal erarbeitete man sich erneut den Start im DFB-Pokal. Wolf hofft dennoch, dass Hertha „uns ein bisschen zu leicht nimmt“, gerade nach dem Spiel gegen Real Madrid.

Doch Meuselwitz kann auch anders als harmlos. Im Mai wurde der ehemalige DDR-Nationalspieler Damian Halata, der Meuselwitz von der Thüringenliga bis in die Regionalliga geführt hatte, als Trainer entlassen. Der Erfolgscoach soll gegenüber den Spielern ausfallend geworden sein. Weder Wolf noch Halata wollen heute noch über das Thema reden.

Dass Meuselwitz vor Hertha nicht wie die Maus vor der Schlange erstarren wird, dafür steht auch das Vereinswappen. Ein Krokodil jongliert darauf einen Fußball. „Wir dachten, dass Wappentier würde zu uns passen, weil es die Kraft hat, zuzubeißen, wenn man nicht aufpasst“, sagt Wolf. Hertha muss also gewarnt sein.

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