Vor dem Saisonstart : Fragen und Zeichen in der Formel 1

Brawn rast, McLaren schwächelt und es gibt viele neue Regeln: Die Formel 1 scheint in der neuen Saison, die am 29. März in Melbourne beginnt, für einige Überraschungen gut.

Karin Sturm
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So schnell wie weiß. Das neue Team Brawn überzeugte bei Testfahrten.Foto: AFP

Berlin - Wenn man in diesen Tagen auf die Zeitenliste bei den Formel-1-Testfahrten schaute, war es praktisch unmöglich, eine Bezeichnung nicht an Position eins zu finden: Brawn. Das ist nicht nur der Name des ehemaligen Ferrari-Strategiegurus Ross Brawn, sondern inzwischen auch der des einstigen Honda-Rennstalls. Monatelang hatte das Team nach dem Ausstieg des japanischen Autobauers um seine Existenz gebangt, und nun das: Nach der Übernahme durch Teamchef Brawn fuhr das neue Auto der Konkurrenz bei den Tests in Barcelona auf und davon.

Der neue Wagen hat mit einem Mercedes- statt einem Honda-Motor im Heck noch einmal zusätzliches Potenzial gewonnen, „liegt sehr gut und fährt sich auch sehr leicht“, wie die Piloten Jenson Button und Rubens Barrichello einhellig feststellten. Brawn verweist auf einen kreativen Umgang mit den Reglementsvorgaben beim Bau des Unterbodens – ob das allerdings die Rundenzeiten, die bisweilen mehr als eine Sekunde unter allen anderen lagen, hinreichend erklärt, bleibt fraglich. Viele glauben, dass Brawn seine Autos mit weniger Benzin und damit Gewicht kreisen lässt, um Aufsehen zu erregen und Sponsoren anzulocken.

Schließlich könnte es gut sein, dass Brawn ein Problem bekommt, die längerfristige Finanzierung des Teams zu sichern. In diesem Jahr wird es vor allem noch von Honda und Bernie Ecclestone mit Vorschüssen auf das Fernsehgeld getragen. Mit seinem Alleingang, den Formel-1-Einstieg von Bruno Senna, dem Neffen der tödlich verunglückten Legende Ayrton Senna, in letzter Minute zugunsten seines alten Kumpels Barrichello platzen zu lassen, verzichtete er nicht nur auf gut zehn Millionen Dollar Sponsorengeld. Er verärgerte vor allem gerade die, die halfen, das Team wieder auf die Beine zu stellen, wie Ecclestone, der den Namen Senna nur allzu gern wieder in der Formel 1 gesehen hätte. Aber auch bei Honda und beim Motorenpartner McLaren-Mercedes war man intern nicht gerade begeistert.

Haug: "Wir sind zu langsam"

Wobei das Weltmeisterteam im Moment selbst genug Probleme hat. Mit dem neuen Aerodynamikreglement, das die optisch so stark veränderten Autos mit den klobig wirkenden Frontflügeln und den viel kleiner dimensionierten Heckflügeln schuf und durch weniger Abtrieb bessere Überholmöglichkeiten schaffen soll, kommt man noch nicht zurecht. „Wir sind im Moment zu langsam“, geben Mercedes-Sportchef Norbert Haug als auch der neue McLaren-Chef Martin Whitmarsh zu. Ob die Silbernen beimSaisonauftakt in Melbourne in zehn Tagen siegfähig sein werden, ist ein großes Fragezeichen.

Die zweite große Unbekannte 2009 neben der Aerodynamik werden wohl weniger die profillosen Slick-Reifen, die nach über zehn Jahren die Rillenreifen ablösen, sondern Kers. Das Energierückgewinnungssystem, das die Abwärme aus Bremsvorgängen nutzt, ist Zukunftstechnologie einerseits, Millionengrab andererseits. Zusätzliche 80 PS soll es für ein paar Sekunden bringen, andererseits aber auch an die 40 Kilo Zusatzgewicht durch die Batterien. Bis jetzt scheinen sich Vor- und Nachteile die Waage zu halten.

In Melbourne werden wohl dennoch nur McLaren, Ferrari, Renault und eben BMW mit Kers an den Start gehen. Bei den Münchnern ist das aber noch gar nicht sicher: Die beiden Piloten sind in dieser Hinsicht völlig unterschiedlicher Meinung. Nick Heidfeld ist ein Kers-Verfechter, der vor allem auf Vorteile bei Überholmanövern baut. Robert Kubica dagegen steht dem sehr skeptisch gegenüber, nicht nur, weil die Mechaniker an den Boxen wegen der immer wieder befürchteten Probleme mit den hohen Stromspannungen mit dicken Gummihandschuhen arbeiten müssen. Wer recht behält, ist zwei Wochen vor dem Saisonauftakt nur eine von vielen spannenden Fragen.

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