Vor dem Saisonstart : Vettel zeigt seinen Auspuff

Beim letzten Test festigt Red Bull die Favoritenrolle. Die ganze Formel 1 schaut neidisch auf den Weltmeister, dessen Auto offensichtlich alle anderen abhängt.

Karin Sturm, Barcelona
Schneller mit Loch. Der große Auspuff an Vettels Red Bull soll den Anpressdruck des Autos verbessern.
Schneller mit Loch. Der große Auspuff an Vettels Red Bull soll den Anpressdruck des Autos verbessern.Foto: pixathlon / dppi

Norbert Haug blieb keine andere Möglichkeit, als zu staunen. „Wenn das normale Rennbedingungen waren, dann war das fast eine Sekunde schneller als der Rest der Welt“, sagte der Mercedes-Sportchef. Es war Mittwochmorgen an der Rennstrecke von Barcelona, wo die Formel 1 gerade ihren letzten Saisonvorbereitungstest abhält. Haug staunte über Sebastian Vettel, der mit fast schon provozierender Lockerheit eine Bestzeit auf den Asphalt gezaubert hatte. Doch nicht nur Norbert Haug – die ganze Formel 1 schaut derzeit besorgt und neidisch auf den Weltmeister, dessen Auto offensichtlich alle anderen abhängt.

Red Bull deutlich vorne, dahinter dann Ferrari, dann wieder ein Loch bis zum großen geschlossenen Mittelfeld: So schätzen die meisten Experten gegen Ende der letzten Formel-1-Testwoche das Kräfteverhältnis vor dem Saisonstart am 27. März in Melbourne ein. Wobei Vettel versucht, den Vorsprung seines Teams herunterzuspielen, und von der großen Überlegenheit noch nichts wissen will. Aber der 23-Jährige lässt sich zumindest anmerken, dass er sich auf den Auftakt freut. „Ganz gut sieht es ja schon aus“, erklärte er grinsend.

Bereits die optischen Eindrücke zeigen: Dem Weltmeisterteam der vergangenen Saison um Chefdesigner Adrian Newey ist wieder ein großer Wurf gelungen. Das ist wenig überraschend. Denn die Reglementänderungen für diese Saison waren nicht so groß – das heißt, Newey brauchte keine Revolution, sondern nur eine gute Evolution. Und auch bei einem der Schlüsselpunkte 2011 – die Auspuffabgase zur Erzeugung zusätzlichen Abtriebs zu verwenden – scheint Vettels Arbeitsgerät Maßstäbe zu setzen.

In dieser Liga spielt Mercedes noch nicht, allerdings will Haug auch nichts von übertriebenem Pessimismus wissen. Er ist sich sicher: „Red Bull wird deutlich vorne sein, dahinter Ferrari. Aber in der Gruppe, die dann dahinter um Platz drei kämpfen wird, möchten wir in Melbourne schon sein.“ Dass die eigenen Zeiten dabei lange nicht so toll aussehen – zeitweise waren die Silberpfeile vier Sekunden zurück –, beunruhigt ihn dabei nicht. Er verweist auf Spritmengen und Reifen, „wenn man das alles zusammennimmt, kommen schnell mal vier Sekunden zusammen. Wir werden schon auch noch mal in Richtung Qualifying-Simulation gehen, weiche Reifen nehmen – und dann sieht das gleich anders aus.“ Was Michael Schumacher dann auch bestätigte, als er am Donnerstagnachmittag nur noch etwa eine Sekunde hinter den Top-Zeiten lag.

Mercedes führt in Barcelona schrittweise ein großes Paket an Neuerungen ein, auf das man setzt. Bis Samstag, dem letzten Testtag, soll noch einiges kommen, zum Beispiel ein neuer Heckflügel. Erst dann werde man das komplette Zusammenspiel sehen, sagt Haug. Auf die Frage, ob er es denn für möglich halte, Red Bull in dieser Saison noch einzuholen, weicht Haug aus: Grundsätzlich wäre es „eher ungewöhnlich, sich von Rang vier oder fünf, wo wir 2010 zeitweise waren, in einem Jahr auf Rang eins nach vorne zu arbeiten“.

Große Sorgen hat man unter den nominellen Top-Teams noch bei McLaren. Das Auto sei jetzt zwar zuverlässiger, aber immer noch zu langsam, stellten die ehemaligen Weltmeister Jenson Button und Lewis Hamilton unisono fest. Renault, mit Nick Heidfeld, ist da eher ein Kandidat für den Platz hinter den derzeit großen Zwei, Red Bull und Ferrari. Wenn nicht ein Kleiner, der bisher beim Testen erstaunliche Leistungen zeigte, die große Überraschung schafft. Toro Rosso, das kleine Schwesterteam von Red Bull, überraschte in der Testphase alle. Wobei sich die Beobachter noch nicht ganz sicher sind, ob da nicht doch durchgehend ein etwas niedrigerer Spritlevel eine Rolle spielt und man am Ende doch schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird.

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