Vor dem Spiel gegen den VfL Bochum : Union Berlin und das Duell der Kopfballer

Die Zweitliga-Torjäger Bobby Wood und Simon Terodde treffen am Freitag in Köpenick aufeinander – sie verbindet nicht nur die Zeit bei Union.

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Unions Bobby Wood hat in dieser Saison schon 17 Treffer für den 1. FC Union erzielt, drei weniger als Simon Terodde für Bochum.
Unions Bobby Wood hat in dieser Saison schon 17 Treffer für den 1. FC Union erzielt, drei weniger als Simon Terodde für Bochum.Foto: dpa

Eigentlich dürfte er nie und nimmer der erfolgreichste Torschütze der Zweiten Liga sein. Denn Simon Terodde ist ein Kopfmensch. Einer, der sich Gedanken macht, der nachdenkt, zu viel nachdenkt für einen Fußballspieler. In einer Sportart, in der Trainer schon zu kleinen Kindern Sätze sagen wie: „Der erste Gedanke ist immer der richtige:“ Da kann ständiges Grübeln blockieren. Bobby Wood hat das auch lange erlebt. Wenn er eine Torchance vergeben hatte, kamen die Zweifel. Beim nächsten Mal würde er es besser machen, nur als er dann frei vor dem Tor stand, fiel ihm nicht mehr ein, was. Und schon war der Ball weg.

Bobby Wood vom 1. FC Union Berlin und Simon Terodde vom VfL Bochum sind mit ihrer Kopflastigkeit die Antipoden zum kaltblütigen, abgezockten Stürmer, wie er gern als Ideal beschrieben wird. Zu Typen, wie es früher Gerd Müller oder Ulf Kirsten waren, die erst nachzudenken begannen, wenn der Ball im Tor lag. Und trotzdem gehört die Gegenwart der Zweiten Liga Simon Terodde und Bobby Wood.

Terodde, 28 Jahre alt, führt die Torjägerliste gemeinsam mit dem Freiburger Nils Petersen an. Beide haben 20 Mal getroffen. Bobby Wood, 23 Jahre alt, folgt ihnen mit 17 Toren. Beim Spiel zwischen dem 1. FC Union Berlin und dem VfL Bochum an diesem Freitag (18.30 Uhr/Sky live) wird es also auch darum gehen, wer am Ende den Titel als bester Torschütze gewinnt.

Wood und Terodde, zwei unterschiedliche Spielertypen mit einer ähnlichen Geschichte, in der es um Vertrauen geht, um Zuspruch und das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Der richtige Ort, das war für Terodde nicht Berlin. Von 2011 bis 2014 spielte er für den 1. FC Union. 23 Tore in 87 Spielen, keine schlechte Bilanz, aber Terodde wirkte nicht frei. Er vergab viele Chancen, pendelte zwischen Startformation und Ersatzbank. Immer von der Angst blockiert, nach zwei schlechten Spielen wieder draußen zu sein. „Was ihm damals einfach gefehlt hat, ist dieses absolute Vertrauen und die Unantastbarkeit, die er jetzt in Bochum genießt“, sagt André Hofschneider, Unions aktueller Trainer und zu Teroddes Zeiten Ko-Trainer unter Uwe Neuhaus. Dass der Stürmer nun in Bochum erfolgreich ist, wundert ihn nicht. „Ich wusste immer, dass Simon ein guter Fußballer ist, nur konnte er es wegen der höheren Konkurrenzsituation damals bei uns nicht immer abrufen“, sagt Hofschneider.

Bochums Simon Terodde ist umworben.
Bochums Simon Terodde ist umworben.Foto: dpa

Der Zuspruch, den Terodde damals vermisste, der wird heute Wood zuteil. In Berlin darf er immer spielen, selbst dann, wenn er nicht in Form ist. So wie am Anfang, als er aus München vom TSV 1860 kam und ihm die Fitness fehlte. Wood, teuerster Einkauf der Vereinsgeschichte, war gesetzt. Zur Rückrunde explodierte er, schoss zwölf Tore in zehn Spielen. „Viel hat damit zu tun, dass ich hier zum ersten Mal totales Vertrauen spüre“, sagt Wood und wahrscheinlich ist es für ihn völlig unvorstellbar, dass es seinem Vor-Vorgänger in Köpenick anders erging.

Simon Terodde und Bobby Wood haben fußballerisch eigentlich wenig miteinander gemein. Terodde, 1,93 Meter groß, 85 Kilo schwer, ist ein überragender Einkontaktspieler, wie es in der Fachsprache heißt. Mit dem Rücken zum Tor kommt er seinen Mitspielern als Anspielstation stets entgegen und leitet den Ball mit einem Kontakt sofort weiter. Während die anderen den Angriff weiterführen, bringt er sich in Position für den finalen Akt. Annahme, Torschuss. Nur nicht zu lange den Ball halten.

Wood, 1,80 Meter und 82 Kilogramm, spielt ganz anders. Er liebt das Dribbling, hat den Ball gern am Fuß. Was kümmern ihn zwei Gegenspieler oder drei, bei seiner Schnelligkeit, bei seiner Technik? „Bobby ist sicher dynamischer, für Simon spricht die Konstanz. Er hat schon über einen längeren Zeitraum nachgewiesen, dass er zu den besten Torschützen gehört“, sagt Hofschneider.

Gut möglich, dass beide zur kommenden Saison woanders spielen, eine Liga höher eben. An Wood haben Bundesligisten Interesse, an Terodde auch. Vielleicht verlängert er aber auch beim VfL Bochum. Simon Terodde macht sich darüber gerade Gedanken.

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