Vor dem Spiel gegen Leverkusen : Härter BSC

Die Herthaner zeigten sich zuletzt in der Verteidigung überfordert – nun sollen sie gegen Bayer Leverkusen gieriger und rabiater zu Werke gehen.

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Nach dem Spiel in Freiburg verließen die Defensivakteure Christoph Jancker (l.), Fabian Lustenberger (m.) und Andreas Ottl (r.) enttäuscht das Feld. Wieder hatte Hertha BSC zwei Gegentore kassiert.
Nach dem Spiel in Freiburg verließen die Defensivakteure Christoph Jancker (l.), Fabian Lustenberger (m.) und Andreas Ottl (r.)...Foto: dapd

Wo fängt das Verteidigen im Fußball an? Vor dem gegnerischen Tor natürlich, sagt Markus Babbel. Beim Spiel „gegen den Ball“, wie der Trainer von Hertha BSC es nennt, habe er zuletzt Schwächen bei seiner Mannschaft gesehen. So habe der Freiburger Anschlusstreffer am vergangenen Sonnabend seine Ursache im Strafraum des Gegners gehabt. „Da haben wir eine Situation unterschätzt“, sagt Babbel. Da wäre „vielleicht ein taktisches Foul“ angebracht gewesen, um den Angriff des Gegners zu unterbinden.

Es ist kein Geheimnis, dass im Fußball Mannschaften immer dann verwundbar sind, wenn sie von Angriff auf Abwehr umstellen müssen. Das ist ein Problem von Hertha, nach einem Ballverlust im gegnerischen Strafraum kommt zu wenig Gegenwehr auf den Außenbahnen und im Mittelfeld. Und wenn die soliden Abräumer auf den Sechserpositionen – Andreas Ottl und Peter Niemeyer – überwunden sind, wird es gefährlich. Denn im Berliner Strafraum geht es oft gemütlich zu. Das ist den Gegnern seit dem 15. Oktober bewusst. Da hatte Bayern Münchens Trainer Jupp Heynckes festgestellt, dass Herthas Verteidiger „zu langsam“ seien. Erkannt, genutzt: Franck Ribéry und Kollegen überrannten die Berliner beim 4:0. Dabei kam nicht nur Ribérys Gegenspieler Christian Lell mit dem Tempo nicht mit, auch die Innenverteidiger Roman Hubnik und Andre Mijatovic hatten Probleme. Dazu kam, dass Lells Gegenstück auf der linken Seite, Levan Kobiashvili, mit seinen 34 Jahren kein Laufwunder mehr ist.

In letzter defensiver Instanz steht bei Hertha mit Thomas Kraft ein solider Torwart, aber auch ein Torwart, auf den in kritischen Situationen nicht immer Verlass ist: 19 Gegentore hat Hertha in 13 Punktspielen kassiert. Das ist ein Liga-Mittelwert, bei genauer Betrachtung aber werden Gegentore zum substanziellen Problem bei Hertha. In den vergangenen fünf Spielen landete der Ball zehn Mal im Tor von Kraft, in den jüngsten drei Partien je zwei Mal. Nur beim 3:2 in Wolfsburg konnte Hertha bei zwei Gegentoren drei Punkte holen. Nicht erst beim 2:2 in Freiburg zeigte sich, dass Hertha zu viele Chancen braucht, um zum Torerfolg zu kommen.

Am Sonnabend kommt mit Bayer Leverkusen ein Gegner ins Berliner Olympiastadion (15.30 Uhr, live auf Sky), bei dem das anders aussieht. „Bayer braucht nicht viele Chancen, um ein Tor zu erzielen“, sagt Babbel. Der Trainer verweist auf das ungleiche Duell zwischen Aufsteiger und Champions-League-Teilnehmer. Babbel sagt, er erhoffe sich von seiner Mannschaft gegen den starken Gegner vor allem starke Nerven. Beim späten Treffer zum 2:2 in Freiburg habe er nicht gesehen, dass Innenverteidigung und Torwart schlecht gespielt hätten, nein: „Wir müssen endlich einmal so gierig sein, einen knappen Vorsprung über die Zeit zu bringen.“ Mit allen erlaubten Mitteln und zur Not auch mit kleinen Fouls. Allerdings müsste Hertha dann einen Vorsprung gegen Bayer herausarbeiten. Und das muss diesmal ohne Adrian Ramos funktionieren. Der Kolumbianer wird wegen seiner Blessur am Oberschenkel wohl kaum auflaufen.

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