Vor dem Spiel gegen Mainz : Hertha BSC: Rotation rückwärts

Hertha-Trainer Jos Luhukay wagt nach dem Pokalaus unter der Woche nun gegen den FSV Mainz 05 keine Experimente mehr – von einer Krise will er aber trotz vier Spielen ohne Sieg nichts wissen.

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Das A-Team soll es richten. Hajime Hosogai dürfte zu jenen Hertha-Profis gehören, die heute gegen Mainz (15.30 Uhr im Liveticker) in die Startelf der Berliner zurückkehren. Foto: dpa
Das A-Team soll es richten. Hajime Hosogai dürfte zu jenen Hertha-Profis gehören, die heute gegen Mainz (15.30 Uhr im Liveticker)...Foto: dpa

Am Samstag läuft bei Hertha BSC wieder eine völlig neue Truppe auf. 1200 Soldaten des Logistikbataillons 172 aus Beelitz sind inklusive Angehöriger ins Olympiastadion eingeladen, als Anerkennung ihrer Dienste in Afghanistan und bei der Flutkatastrophe in Sachsen-Anhalt. Angesichts solcher Erfahrungen lässt sich kaum behaupten, dass die Bundeswehr-Bediensteten an einem neuen Krisenherd eintreffen.

„Einen Krisengipfel sehe ich überhaupt nicht“, sagt Herthas Trainer Jos Luhukay vor dem Heimspiel gegen Mainz, eine solche Bezeichnung findet er „lächerlich“. Doch in voller Stärke sind derzeit weder die Mainzer anzutreffen, die vier Pflichtspiele in Folge verloren haben, noch die Berliner, die seit vier Spielen sieglos sind. Trotz dreier echter Pleiten und einer für ihn „gefühlten Niederlage gegen Freiburg“ sagt Luhukay, dass man „von einer Krise erst sprechen kann, wenn wir wochenlang verlieren und in den Spielen ohne Chance sind“. Das sehe er nicht.

Das Bataillon aus Beelitz wird jedenfalls eine andere Hertha-Mannschaft zu Gesicht bekommen als diejenige, die am Mittwoch im Pokal ausschied. Zumindest personell. Die meisten, wenn nicht alle der neun Akteure, die in Kaiserslautern ins Team rotiert waren, werden ihren Platz wieder für die A-Elf räumen – eine Rotation rückwärts, wenn man so will. „Pekarik, Langkamp und van den Bergh kommen auf jeden Fall zurück in die erste Elf, das ist kein Geheimnis“, sagt Luhukay. Er habe die drei nur geschont, weil sie nach Verletzungen nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte gewesen seien. Ist auch Kapitän Fabian Lustenberger trotz eines Blutergusses am Knie fit, „dann habe ich wieder meine Viererkette beisammen, die für Stabilität und Sicherheit steht“.

Hertha BSC: Franz, Holland und Sahar rotieren wieder auf die Tribüne

Dafür standen die Vertreter beim 1:3 in der Pfalz eher nicht. „Da waren wenige Lichtblicke dabei“, sagt Luhukay. Franz, Holland und Sahar rotieren wieder auf die Tribüne zurück, obwohl Ben Sahar noch die lichtesten Momente in der B-Elf hatte. Aber Luhukay weiß, dass seine Mannschaft nun dringend ein Erfolgserlebnis braucht. Also keine Experimente mehr. „Das Pokal-Aus ist bitter“, sagt er, ein Sieg wäre nun „Balsam auf die Wunden“. Die Wunden sind vor allem emotionaler Natur. Verletzt ist das Gefühl aus der vergangenen Saison und dem Start in die aktuelle, als es schien, Hertha und vor allem Luhukay könnten gar nichts falsch machen.

Der Trainer betonte stets, er habe nicht elf Stammspieler, sondern bringe durch sein Training und System alle 27 Akteure im Kader auf einen guten Stand. Die Erfolge gaben ihm Recht: Luhukay konnte munter die Spieler durchwechseln, ohne dass ein Qualitätsverlust zu erkennen war. Und konnte auch ins Risiko gehen, bei einem Unentschieden alles auf Sieg setzen und Offensivkräfte einwechseln. Bis vor Kurzem ging das gut.

Jos Luhukay: "Wir müssen uns alle neu daran gewöhnen, mit Niederlagen umzugehen: die Mannschaft, die Fans, die Medien."

„Eigentlich wussten wir nicht mehr, was eine Niederlage ist“, sagt Luhukay. Die Zeiten haben sich geändert. „Wir müssen uns alle neu daran gewöhnen, mit Niederlagen umzugehen: die Mannschaft, die Fans, die Medien.“ Und auch er. Am Freitag sieht er ziemlich zerknirscht aus. „Wir wussten, dass Niederlagen kommen würden“, sagt er, „aber schön ist es nicht.“

Zum ersten Mal in seiner Berliner Zeit wirkt Luhukay fehlbar. Dabei war er im Prinzip nur seinen Prinzipien treu geblieben. Für eben diese Konsequenz und diesen Mut war er in der Vergangenheit gefeiert worden. Aber er unterschätzte die weichen Faktoren: die Sehnsucht im Umfeld nach Pokaltriumphen; die Kaiserslauterer, die sich durch die Überheblichkeit angestachelt fühlten; die Verunsicherung der Mannschaft; die Ersatzspieler, die sich zu Recht verheizt fühlen dürfen; die Stammspieler, die tatenlos zusehen mussten, statt sich Selbstvertrauen zu holen.

Die spannende Frage ist nun nicht, wer wieder in die Mannschaft rotiert. Sondern wie sich Luhukay an die veränderte Situation anpassen kann: Ob er mit seinen Überzeugungen bei Misserfolgen so flexibel reagieren sollte wie bei seinen Aufstellungen. Oder ob es der größere Fehler wäre, jetzt den Mut zu verlieren.

So könnte Hertha spielen:

Kraft – Pekarik, Langkamp, Lustenberger, van den Bergh – Hosogai, Cigerci – Skjelbred, Ronny, Ben-Hatira – Ramos.

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