Vor dem Spiel gegen Mönchengladbach : Der FC Schalke sucht den Weg aus der Krise

Die Neuausrichtung des FC Schalke 04 gestaltet sich schwieriger als gedacht, Hoffnung machen die Erfolge in der Europa League.

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Schlechte Laune. Markus Weinzierl hatte nicht den besten Start als Trainer.
Schlechte Laune. Markus Weinzierl hatte nicht den besten Start als Trainer.Foto: dpa

Es ist mal wieder schlecht bestellt um den FC Schalke 04. Der Ruhrgebietsklub war in seiner langen Geschichte schon immer dafür bekannt, dass er wegen der großen Emotionalität seiner Fans und der manchmal irrationalen (Re-)Aktionen seiner handelnden Personen für Schlagzeilen und auch für Spott bei den Außenstehenden sorgte. Nun aber, nach fünf Bundesliga-Niederlagen hintereinander, sind alle Witze über das Null-Punkte-Schalke bereits gemacht. Und es stellt sich die Frage: Was soll da jetzt eigentlich noch kommen?

Der Klub hat sich mit seiner neuen Führung um Sportvorstand Christian Heidel und Trainer Markus Weinzierl in eine Krise hineinmanövriert, die in dieser Form wohl nicht einmal die größten Pessimisten erwartet hatten – ganz zu schweigen von den handelnden Personen selbst. „Wir befinden uns im Abstiegskampf“, hat Heidel jüngst verkündet. Der Neuanfang, der nach der Demission von Manager Horst Heldt und Trainer André Breitenreiter im vergangenen Sommer eigentlich eingeleitet werden sollte, stellt sich mittlerweile dar, als befänden sich die Schalker in einem Albtraum, aus dem sie einfach nicht mehr erwachen wollen.

Gleich sieben neue Spieler hatte Heidel vor der Saison verpflichtet und seinem Wahltrainer Weinzierl zur Verfügung gestellt, damit dieser eine neue Mannschaft formt und dem Team ein modernes Spielsystem verordnet. Bislang nahezu ohne Erfolg. Lediglich in der Europa League gelang es den Schalkern, gegen Nizza (1:0) und zuletzt gegen den FC Salzburg (3:1) verdiente Siege herauszuspielen. Dabei handelte es sich allerdings um zwei Gegner, die von der Leistungsstärke der Bundesliga deutlich entfernt sind.

Allerdings führte der jüngste Erfolg gegen die Österreicher am Donnerstag zu einer Erleichterung bei den handelnden Personen und einer leichten Entspannung der Gesamtsituation. „Schade, dass es für den Sieg gegen Salzburg keine Punkte in der Bundesliga gibt“, sagte Weinzierl mit einem gequälten Lächeln.

Nach der Bundesliga-Niederlagenserie ist der Trainer bereits unter Druck geraten. Denn nicht nur die Ergebnisse entsprechen keineswegs den eigenen hohen Erwartungen. Die neuen Spieler wie der erfahrene Abwehrrecke Naldo oder auch die Mittelfeldspieler Nabil Bentaleb sowie Benjamin Stambouli leisten sich viele leichte Fehler und unterliegen deutlichen Formschwankungen. Und auch 20-Millionen-Angreifer Breel Embolo sowie Offensivspieler Jewhen Konopljanka haben noch nicht nachgewiesen, dass sie Verstärkungen sein können. Einzig Verteidiger Abdul Rahman Baba zeigte bereits sein Potenzial.

Probleme in der Offensive noch größer als in der Vorsaison

Hinzu kommt, dass nun auch die bereits in der Vorsaison eher durchschnittliche Offensive (51 Tore) noch größere Probleme hat, sich in Szene zu setzen. Angreifer Klaas-Jan Huntelaar bekommt weiterhin kaum Flanken, der kreative Max Meyer ist meist nur noch Ersatzmann und Außenbahnspieler Eric-Maxime Choupo-Moting spielt mit seinen immer neuen Dribblings meist den offensiven Alleinunterhalter. Die bisherige Bilanz von zehn Gegentreffern bei zwei erzielten Toren in der Bundesliga spricht für sich.

Nur in zwei Spielen hat die Mannschaft bisher angedeutet, wohin Weinzierl sie eigentlich führen sollte. Mit aggressivem, frühem Pressing wollten die Schalker den Gegner eigentlich dauerhaft unter Druck setzen und zu Fehlern zwingen. Diese laufintensive Taktik haben seine Spieler allerdings lediglich gegen den FC Bayern (0:2) sowie gegen Nizza (1:0) recht erfolgreich in die Tat umgesetzt. In den übrigen Begegnungen sind die Schalker nahezu ausnahmslos in ihre aus der vergangenen Saison bereits bekannte und weiterhin unerklärliche Lethargie verfallen. Das plötzliche Eintreten dieses kollektiven Dämmerzustands während eines Spiels ist ein schwer zu korrigierendes Phänomen, an dem die Fußballlehrer zunehmend verzweifeln.

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Weinzierl hat offenbar noch keine Elf gefunden, der er das notwendige Vertrauen entgegenbringt – und hat bisher in allen Partien ein verändertes Team auf das Spielfeld geschickt. 21 Spieler hat der Trainer bisher eingesetzt, was sicherlich nicht dazu führt, dass sich eine Elf mit vielen neuen Profis, von denen die Mehrzahl erst kurz vor Saisonbeginn verpflichtet wurde, besser aufeinander abstimmen kann.

Heidel lenkt derweil die Aufmerksamkeit auf die vielen Defizite der Mannschaft und nicht auf den von ihm ausgewählten Trainer. Auch deshalb ist das Umfeld in Gelsenkirchen momentan ruhiger als sonst in Krisenzeiten üblich – ein alleiniger Sündenbock ist nicht auszumachen, wodurch die Kritik noch verschwimmt. „Dass nicht immer die gleiche Mannschaft spielt, ist doch völlig logisch. Das macht keine Mannschaft, die europäisch spielt“, sagt Heidel.

Um die Diskussionen in seine gewünschte Richtung zu steuern, hat der Sportvorstand bereits alle bekannten Register des Profisports gezogen. Von harscher öffentlicher Kritik an den Spielern bis zu internen Sitzungen, in denen grundsätzliche Themen erörtert wurden, hat Heidel nahezu alle Kommunikationswege beschritten, die ihm zur Verfügung stehen.

Sollten die Schalker allerdings auch eine Heimniederlage gegen den nächsten Gegner Borussia Mönchengladbach am frühen Sonntagabend beziehen, dürfte Heidel auch über personelle Konsequenzen nachdenken. Und neue Witze über den FC Schalke 04 würde es dann bestimmt auch geben.

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