• Vor dem Spiel gegen Porto trägt der FC Bayern schwer an Effenbergs Verletzung - und entdeckt das Kollektiv

Sport : Vor dem Spiel gegen Porto trägt der FC Bayern schwer an Effenbergs Verletzung - und entdeckt das Kollektiv

Detlef Dresslein

Auch die Möglichkeiten des FC Bayern München sind begrenzt. Ottmar Hitzfeld, der Trainer des Deutschen Fußballmeisters, hat sich dieser Tage zu der Erkenntnis durchringen müssen, dass "man Spieler nicht kopieren kann". Auch er würde wohl viel geben für eine Blaupause von Stefan Effenberg. Der Spielmacher fällt für die entscheidenden Wochen des Jahres aus und das sorgte in den letzten Tagen für viel Verwirrung bei der erfolgsverwöhnten Mannschaft mit den großen Zielen.

Das mit der Verwirrung ging schon im Lokalderby gegen 1860 los. Nachdem Effenberg kurz vor der Halbzeitpause mit einem Muskelfaserriss in der Wade den Platz verlassen hatte, lief nichts mehr zusammen bei den großen Bayern. Heute nun geht es gegen den FC Porto (20.45 Uhr live in tm 3) um den Einzug ins Halbfinale der Champions League. Das hatten die Münchner nach dem 1:1 im Hinspiel intern schon gebucht. Aber ohne Effenberg? Mit ihm fehlt für drei bis vier Wochen der Kopf der Mannschaft.

Es ergibt sich eine interessante Parallele zum vergangenen Jahr: Damals mussten die Bayern ebenfalls vor dem Viertelfinal-Rückspiel in Kaiserslautern mit Giovane Elber und Bixente Lizarazu nach Kreuzbandrissen zwei Leistungsträger ersetzen. Das Spiel gegen Kaiserslautern wurde 4:0 gewonnen, aber am Saisonende verloren die Bayern die Endspiele in der Champions League und im DFB-Pokal. Jetzt fehlen Effenberg und Lothar Matthäus. "Die Situation ist anders und man kann die Spieler nicht vergleichen", sagt Hitzfeld, gibt aber einen Substanzverlust zu. Tatsache ist: Giovane Elber und Bixente Lizarazu, dessen Einsatz gegen Porto wegen einer Adduktorenverhärtung gefährdet ist, waren und sind Leistungsträger, aber eben keine "Leitwölfe".

Die sportliche Lösung der Kalamitäten sieht relativ einfach aus. Die bereits mehrfach erfolgreich probierte Viererkette unter Anleitung von Patrik Andersson steht hinten, während Libero Jens Jeremies ins Mittelfeld rückt und dort zusammen mit Thorsten Fink und vor allem Mehmet Scholl für Erfreuliches in der Offensive sorgen soll. "Die Rolle von Effenberg wird jetzt auf mehrere Schultern verteilt", sagt Hitzfeld, und überhaupt müsse eben jeder einzelne "mehr Verantwortung übernehmen". Die Spieler versuchen derweil, sich Mut zu machen. Thomas Linke zum Beispiel meint, es habe schon öfters Situation gegeben, in denen wichtige Spieler ausgefallen seien: "Es heißt dann immer, wir spielen ohne drei, vier oder fünf. Aber wir spielen mit elf Mann, und wir haben immer eine Chance zu gewinnen."

Nur wahrscheinlich anders als gewohnt. Denn Hitzfeld will den erwähnten spielerischen Substanzverlust mittels anderer Tugenden ausgleichen: "Man kann auch anders erfolgreich sein". Soll heißen: Kampf und Einsatz statt spielerischer Finessen. Und das alles orientiert am Gegner. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Porto ein spielerisches Feuerwerk abbrennen wird", vermutet Thomas Linke. Hitzfeld prophezeit ähnliches: "Man muss Geduld haben. Es wird kein spektakuläres Spiel werden wie gegen Real Madrid. Es wird Abnützungskampf."

Vor allem darf man gespannt sein, was passiert, wenn ein Spieler gefragt ist, der in einer kritischen Situation das Kommando übernimmt, an dem sich die anderen dann orientieren können. Matthäus und Effenberg waren das stets in der Vergangenheit.

Der doppelte Schock des plötzlichen Rückstandes in der nationalen Meisterschaft und des Effenberg-Ausfalls hat die Bayern kleinlaut werden lassen. Sogar Uli Hoeneß, selbsternannter Leiter der "Abteilung Attacke", ist in die verbale Defensive gegangen. "Unser Ziel ist ein Titel. Vom Triple zu sprechen wäre hoch arrogant. Außerdem kann man ein Triple nicht zum Ziel machen, denn der Druck auf die Mannschaft ist schon hoch genug." Ein Titel also reicht dem FC Bayern des Jahres 2000. Und wenn es dann nichts wird mit der Champions League, der Deutschen Meisterschaft und dem DFB-Pokal - so bleibt ja immer noch das eigene Jubiläumsturnier in der Sommerpause.Bayern München im Internet

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