Vor dem Spiel gegen RB Leipzig : Willkommener Protest beim 1. FC Union

Zweitligist 1. FC Union kommt es gegen RB Leipzig gelegen, dass das Sportliche in den Hintergrund gerückt ist, auch durch die geplante Protestaktion der Fans. Denn Probleme gibt es beim Berliner Zweitligisten derzeit viele.

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Schwierige Zeiten. Der 1. FC Union und Christopher Quiring haben den Saisonstart verpatzt.
Schwierige Zeiten. Der 1. FC Union und Christopher Quiring haben den Saisonstart verpatzt.Foto: dpa

Still soll es am Sonntag im Stadion An der Alten Försterei werden. Ganz still. Und anschließend ganz laut. Während der ersten zehn Minuten wollen die Fans des 1. FC Union schweigen, wenn ihre Mannschaft gegen RB Leipzig spielt (13.30 Uhr). Aus Protest gegen den aus ihrer Sicht seelenlosen Kontrahenten, der vom österreichischen Unternehmer Dietrich Mateschitz alimentiert wird. Außerdem werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit schwarze Kleidung tragen. Ist ja schließlich ein trauriger Anlass, gegen einen Verein antreten zu müssen, der ausschließlich als Werbeplattform für seinen Sponsor dient und aus ihrer Sicht die Fankultur der Stadt Leipzig negativ verändert.

„Die ersten zehn Minuten werden wohl den Charakter eines Auswärtsspiels haben“, sagt Daniel Haas. Umso mehr freut sich der Torhüter des 1. FC Union auf das, was danach kommen soll. Haas rechnet mit „einer Kulisse, wie es sie so vielleicht nur im Stadtderby gab“. Vor rund anderthalb Jahren kamen 16 750 Fans, als es zuletzt gegen Hertha BSC ging, den Stadtrivalen. Neunzehn Monate, die wie eine Ewigkeit wirken. Union war damals in einer anderen, einer besseren Situation.

Union wartet immer noch auf den ersten Sieg

Unruhe prägt die Gegenwart, es ist ein Auftakt mit vielen, zum Teil hausgemachten Nebengeräuschen, den der Berliner Zweitligist 2014/15 zu bewältigen hat. Vieles, was jüngst auf den Klub einprasselte, hatte nur am Rand mit Fußball zu tun. Zuerst die medial ausgetragene Schlammschlacht zwischen dem Verein und dem ehemaligen Kapitän Torsten Mattuschka, nun das gewaltige Interesse an der Protestaktion. Sportliches geriet in den Hintergrund. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Trainer Norbert Düwel dürfte das ganz gelegen kommen. Der Fokus ist nicht ausschließlich auf ihn gerichtet, obwohl seine Mannschaft auf dem vorletzten Tabellenplatz steht. Union wartet nach fünf Spielen noch immer auf den ersten Sieg. Größerer Kritik sieht sich Düwel wenn überhaupt nur extern ausgesetzt. Die Vereinsführung steht in der Öffentlichkeit zu ihm, Präsident Dirk Zingler betonte jüngst, dass man einen holprigen Start einkalkuliert habe, die ganze Situation also nicht überraschend komme. Jeder Umbruch benötige schließlich Zeit, so Zingler.

Protestaktionen gegen RB Leipzig
Stumm und ganz in Schwarz: So zeigten die Fans von Union Berlin in den ersten 15 Minuten ihres Heimspiels gegen RB Leipzig ihre Ablehnung gegen Retortenklub des Getränkeherstellers Red Bull. Doch auch andernorts setzten die Fans bereits Zeichen - hier eine Auswahl:Weitere Bilder anzeigen
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21.09.2014 16:43Stumm und ganz in Schwarz: So zeigten die Fans von Union Berlin in den ersten 15 Minuten ihres Heimspiels gegen RB Leipzig ihre...

Hinter den Kulissen dürfte es ihm allerdings kaum gefallen, welches Bild Union zurzeit abgibt. Zingler war es, der dem in früheren Zeiten so unsteten und chaotischen Klub aus dem Berliner Südosten Kontinuität und Sachlichkeit beibrachte. Krisen hatte Union danach kaum zu überstehen, der Verein ruhte in sich. Damit ist es nun erst einmal vorbei, die Berliner benötigen dringend Siege, ansonsten droht weitere Unruhe.

Probleme vor allem im Angriff

Norbert Düwel gibt sich unbeeindruckt: „Das Drumherum interessiert uns wenig. Wir haben in den letzten Wochen richtig konzentriert und richtig gut gearbeitet.“ Zu sehen war davon auf dem Feld wenig. Union hat unter dem neuen Trainer weiterhin Probleme, Tore zu erzielen. Am vergangenen Wochenende in Heidenheim traf nur Benjamin Köhler – per Elfmeter. Beim 1:3 war kaum eine Verbesserung gegenüber vorherigen Auftritten zu erkennen.

Einer, der für Tore sorgen sollte, wird gegen Leipzig und auch in den Wochen danach fehlen: Zugang Martin Kobylanski verletzte sich in Heidenheim, auf seine Hilfe kann Düwel in näherer Zukunft nicht zählen. Unions Trainer gibt sich dennoch optimistisch: „Wir haben in den vergangenen Wochen Dinge auf den Weg gebracht, in der Mannschaft, in der Spielanlage, die jetzt nicht so pessimistisch machen, wie viele das gern darstellen. Irgendwann werden wir uns belohnen.“ Nur: Allzu lange sollte die Mannschaft damit nicht mehr warten.

So könnte Union spielen: Haas – Puncec, Leistner, Schönheim – Trimmel, Kreilach, Köhler, Zejnullahu, Thiel – Brandy, Polter.

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