Vor dem Spiel gegen Zürich : Die Bayern finden das Tor nicht

Vor dem wichtigen Qualifikationsspiel zur Champions League gegen den FC Zürich bereitet den Bayern ihre Angriffsschwäche Sorgen. Dabei kann es an der Besetzung in der Offensive eigentlich nicht liegen.

Carsten Eberts
Schlechte Ausgangslage. Der FC Bayern um Bastian Schweinsteiger erzielt zurzeit zu wenige Tore.
Schlechte Ausgangslage. Der FC Bayern um Bastian Schweinsteiger erzielt zurzeit zu wenige Tore.Foto: dapd

Es ist schon eine kuriose Situation. Die gesamte Sommerpause über galt das Hauptaugenmerk des FC Bayern stets seiner maladen Defensive. Weil es hier Probleme gab, die schließlich mit großem Aufwand und viel Geld für die Neuzugänge Manuel Neuer, Jerome Boateng und Rafinha gelöst wurden. Die Offensive hingegen wurde kaum erwähnt. Weil der Bayern-Sturm ja ohnehin immer funktionierte.

Direkt nach dem Bundesligastart hat sich dieses Augenmerk verschoben: Die Defensive steht recht sicher, der Rekordmeister schießt jedoch plötzlich keine Tore mehr: nur ein Treffer in zwei Partien, erzielt auch noch von Defensiv-Spezialist Luiz Gustavo. Die Bayern sind mit einer unerwarteten Offensivschwäche in die Saison gestartet, die zum heutigen, eminent wichtigen Champions-League-Qualifikationsspiel gegen den FC Zürich (20.45 Uhr, live im Ticker von Tagesspiegel.de) dringend abgestellt werden muss. „In diesen zwei Spielen geht es um wahnsinnig viel, um Finanzen, um Image“, erklärte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Und Bayern- Trainer Jupp Heynckes sagte: „Da müssen sich meine Spieler richtig reinhauen.“

Die Frage ist, ob sich die aktuelle Bayern-Krankheit durch bloßes „Reinhauen“ tatsächlich kurieren lässt. Denn das Offensivspiel leidet unter erstaunlicher Kreativlosigkeit, die quasi über Nacht das gesamte Angriffszentrum befallen hat: Schützenkönig Mario Gomez, der in Wolfsburg nicht in die Nähe einer Torchance kam. Thomas Müller, der derzeit immer einen Haken zu viel schlägt oder untypisch falsche Entscheidungen trifft. Sogar Franck Ribéry, der sich lieber an Gegenspielern und Schiedsrichtern aufreibt, als das bayerische Offensivspiel auf eine andere Stufe zu heben. Vor allem fehlte den Münchnern jedoch Arjen Robben, der wegen Rückenproblemen zuletzt ausfiel. Ohne ihn haben die Bayern offenbar keinen Offensivmann, der das Spiel gewinnbringend beschleunigen kann, bevor sich die Abwehr des Gegners wieder formiert hat. „Wir müssen schneller nach vorn spielen, wenn Raum da ist“, sagte Kapitän Philipp Lahm nach dem glücklichen 1:0 in Wolfsburg. Robben soll gegen den FC Zürich nun in die Startelf zurückkehren – und vereint damit alle Münchner Hoffnungen auf sich. „Er hat drei Tage sehr gut trainiert“, berichtete Heynckes am Dienstag.

Die Dramaturgie will es, dass der FC Bayern just in dieser ungewissen Situation sein bislang wichtigstes Saisonspiel bestreiten muss. Ein deutlicher Heimsieg gegen den FC Zürich muss her, will der Klub im Rückspiel nicht in arge Nöte geraten. Zumal das Champions-League-Endspiel im Mai 2012 in der Münchner Arena stattfinden wird – und es das Selbstverständnis der Bayern nachhaltig schädigen würde, käme der Klub nicht zumindest in die Nähe dieses Finales. „Wenn wir die nicht schlagen, haben wir in der Champions League nichts verloren“, sagte Sportdirektor Christian Nerlinger gegenüber den Gästen aus der Schweiz. Das ist nicht sonderlich höflich – trifft die Situation dennoch auf den Punkt.

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