Vor dem Spiel in Dortmund : Real Madrid: Voll auf die Zehn

Für Real Madrid und Trainer Mourinho zählt in dieser Saison nur der Titel in der Champions League. Vor dem Spiel gegen Borussia Dortmund gibt sich der Favorit trotzdem bescheiden.

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The only one. Real Madrids José Mourinho wäre der erste Trainer, der die Champions League mit drei verschiedenen Vereinen gewinnt. Foto: dpa Foto: dpa
The only one. Real Madrids José Mourinho wäre der erste Trainer, der die Champions League mit drei verschiedenen Vereinen gewinnt....Foto: dpa

Unter normalen Umständen ist José Mourinho kein besonders abergläubiger Mensch. Anders, wenn es um die Champions League geht. Nach einem Bericht der Sportzeitung Marca lässt sich der Trainer von Real Madrid vor Auswärtsspielen im europäischen Wettbewerb den Platz 10 D im Flugzeug reservieren. So auch vor dem heutigen Spiel bei Borussia Dortmund (20.45 Uhr, ZDF). Das D steht für décima, die spanische Bedeutung für die Zehnte.

La décima ist bei Real Madrid und José Mourinho zur Obsession geworden. Neun Mal hat der spanische Rekordmeister bisher die wichtigste Trophäe im europäischen Vereinsfußball gewonnen. Auch das, natürlich, Rekord. Auf den zehnten Erfolg wartet der Klub schon seit 2002. Damals siegte Real mit Zinedine Zidane, Luis Figo und Raúl in Glasgow 2:1 gegen Bayer Leverkusen und Michael Ballack. Zidanes Volleytor war das letzte sportliche Glanzlicht. Dabei sollte es ein Anfang und nicht das Ende sein.

Florentino Perez, damals wie heute Präsident von Real Madrid, hatte nach dem neunten Titel eine Vision. Der milliardenschwere Bauunternehmer machte aus Real los galacticos, die Galaktischen. Zu den drei Weltstars Zidane, Figo und Raúl kaufte er erst den Brasilianer Ronaldo und ein Jahr später den Engländer David Beckham, diesen übrigens gegen den ausdrücklichen Wunsch des damaligen Trainers Vicente del Bosque.

Wer mit drei großen Spielern die Champions League gewinnt, so glaubte Perez, gewinnt sie mit fünf Stars erst recht. Doch die Rechnung ging nicht auf. Real Madrid verkam zur Zirkusnummer, auf dem Platz wirkten die fünf Galaktischen wie eine schlecht aufeinander abgestimmte Artistenkombo.

An seinem Konzept hält Perez dennoch fest. Beinahe eine Milliarde Euro hat Real Madrid seit dem letzten Champions-League-Titel in neue Spieler investiert, knapp ein Zehntel davon in Cristiano Ronaldo. Der mit 94 Millionen Euro Ablöse teuerste Fußballer der Welt wird bei Real vom teuersten Trainer trainiert – gut 15 Millionen Euro erhält Mourinho pro Jahr.

Der Portugiese wurde vor zwei Jahren von Perez vor allem mit dem Ziel verpflichtet, die Champions League für Real Madrid zu gewinnen. Die Hoffnungen waren riesig, schließlich hatte der Trainer den silbernen Pokal mit den großen Henkeln schon mit dem FC Porto und Inter Mailand geholt. Doch bisher scheiterte Real unter Mourinho stets im Halbfinale, zuletzt am FC Bayern.

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In den vergangenen zehn Jahren gab Real knapp eine Milliarde Euro für neue Spieler aus

Mit jedem Scheitern wird die Champions League für Real immer mehr zur Pflicht. Die enormen Personalkosten stehen in keinem Verhältnis zu den Ergebnissen. Mit einer Meisterschaft, einem nationalen Pokal und einem Erfolg im Supercup hat Real seit 2008 nicht viel gewonnen. Die Dominanz des Erzrivalen FC Barcelona sorgt bei Perez und den erfolgsverwöhnten Anhängern regelmäßig für schlechte Stimmung. In der Meisterschaft liegt Real schon acht Punkte hinter Barça. Bleibt nach dem Madrider Selbstverständnis nur noch die Champions League als ernstzunehmender Titel.

Vor dem Spiel bei Borussia Dortmund gibt sich Mourinho bescheiden. Angesprochen auf Manchester City als schwerstem Gruppengegner sagte er: „Ich weiß nicht, vielleicht ist Dortmund noch stärker einzuschätzen.“ Nach dem 1:1 der Dortmunder vor zwei Wochen in Manchester sah sich Mourinho bestätigt. Mitunter ist es aber eine andere Bilanz, die ihn vor dem Spiel nicht wie gewohnt tönen lässt: Von 23 Europapokal-Spielen in Deutschland konnte Real bisher nur eines gewinnen.

Auch das war für Mourinho ein Grund, sich rechtzeitig vor der Abreise nach Deutschland Platz 10 D im Flugzeug zu sichern.

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