Sport : Vor dem technischen Knockout

Witali Klitschko droht Titelverlust

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Los Angeles Am Montag startete Witali Klitschko einen Versuch, seinen Titel noch zu verteidigen. Mit dem Telefon. Der Schwergewichtsweltmeister rief bei dem für ihn zuständigen Weltverband WBC an, und richtete eine Bitte an dessen Präsidenten. „Ich bin sehr stolz, WBC-Weltmeister zu sein und würde diesen Titel auch gern im Ring verteidigen“, sagte Witali Klitschko, „ich wäre ihnen dankbar, wenn sie die Ergebnisse meiner Untersuchungen abwarten und erst dann entscheiden.“ Der Ukrainer muss gegenwärtig befürchten, dass sein Titel aberkannt wird.

Witali Klitschko hatte wegen einer Meniskusverletzung den für nächsten Samstag angesetzten WM-Kampf gegen Hasim Rahman absagen müssen. Es war seine vierte Absage dieses Kampfes. Er hat bereits die Einjahresfrist überschritten, die für eine Pflichtverteidigung üblich ist. Der WBC hat nun Klitschko eine Zehn-Tages-Frist eingeräumt, einen Nachweis über die Schwere der Verletzung vorzulegen. Die Diagnose soll der Kniespezialist Richard Steadman (USA) stellen. Muss Klitschko operiert werden und fällt längere Zeit aus, wird ihm der Titel mit großer Wahrscheinlichkeit aberkannt. Nur eine leichte Verletzung mit einem schnellen Nachholtermin der WM kann Klitschko den Titel retten.

Seit der Eroberung des WM-Titels gegen den Südafrikaner Corrie Sanders am 24. April 2004 gab es keine Pflichtverteidigung. Der Kampf gegen den Briten Danny Williams im Dezember vergangenen Jahres war eine freiwillige Titelverteidigung und damit ein Privatvergnügen zur Geldvermehrung des in Los Angeles lebenden 34 Jahre alten Champions.

Die Hoffnung des Berliner Sauerland-Boxstalls, seinen an Nummer eins der WBC-Rangliste geführten türkischen Schwergewichtler Sinan Samil Sam als Klitschko-Ersatz am Samstag gegen Rahman antreten zu lassen, hat sich unterdessen zerschlagen. „Ich habe mit Rahmans Promoter Don King telefoniert. Aber der hatte kein Interesse“, sagte Promoter Wilfried Sauerland. Don King drängt vielmehr, Klitschko den Titel abzuerkennen, damit sein als Interimschampion geführter Boxer Rahman kampflos Weltmeister wird.

Rahman beschwert sich inzwischen über die vielen Absagen. „Klitschko hat mich ein Jahr meiner Karriere gekostet“, sagte der Boxer, „das ganze Jahr über ist er vor mir davongelaufen, ich war ohne WM-Gürtel eher ein Champion als er mit.“ Sauerland befürchtet gar, dass Klitschko im Falle einer Titelaberkennung seine Karriere beenden wird: „Er wird sich fragen, ob es sich noch lohnt“, sagte der Promoter, „als ehemaliger Weltmeister kassiert er nicht mehr 75, sondern nur noch 25 Prozent der Börse.“ Außerdem müsse sich Witali Klitschko jetzt fragen, ob sein Körper überhaupt noch mitspielt. dpa

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