Vor dem vierten Halbfinalspiel der Eisbären : Aufbruch gegen die Angst

Die Eisbären müssen sich heute gegen das vorzeitige Saison-Aus im Halbfinale gegen Düsseldorf stemmen.

Ron Ulrich
Ein letztes Leuchten? Wenn es schlecht läuft, versammeln sich die Eisbären heute ein letztes Mal in dieser Saison um ihren Torwart Rob Zepp. Foto: dapd
Ein letztes Leuchten? Wenn es schlecht läuft, versammeln sich die Eisbären heute ein letztes Mal in dieser Saison um ihren Torwart...Foto: dapd

Berlin - Die letzten Stunden vor dem entscheidenden Spiel – und Eisbären-Verteidiger Jens Baxmann läuft durch den Wald. Er geht mit seinem Hund spazieren, isst zu Hause noch ein paar Nudeln und fährt dann zur Arena. Torwart Rob Zepp geht die Vorbereitung an, schwingt sich aufs Rad und setzt Kopfhörer mit der Musik von Led Zeppelin auf. „Wir werden es so machen wie immer“, sagen die Spieler. Doch auch sie wissen, dass kein normales Spiel auf dem Plan steht. Die lange Eishockeysaison kann heute vorbei sein, das Aus droht. 60 Spiele, ein Jahr Arbeit. Bei einer Niederlage im vierten Spiel der Best-of-five-Halbfinalserie gegen die Düsseldorfer EG (14.35 Uhr, Arena am Ostbahnhof, live bei Sky) ist der Traum der Eisbären von der fünften Meisterschaft vorbei.

„Solche Gedanken haben wir gar nicht“, sagt Stürmer Florian Busch. „Wir werden zu Hause gewinnen und dann stehen die Chancen wieder 50:50.“ Es war eine Mischung aus Anspannung und unumstößlicher Zuversicht, die die Eisbären nach dem Abschlusstraining im Wellblechpalast ausstrahlten. Eine Stunde lang hatte Trainer Don Jackson trainieren lassen, im Mittelpunkt der Übungen: das Powerplay. Ein echtes Manko bei der vorhergegangenen Niederlage in Düsseldorf, sieben Überzahlsituationen ließen die Berliner ohne Tor verstreichen.

Die DEG steht hingegen in Unterzahl so sicher und kompakt wie kein anderes Team, schlägt mit ihren gefährlichen Kontern wie beim entscheidenden 4:2-Treffer in der letzten Partie dann direkt zu. „Wir haben daran gearbeitet und sind gerüstet“, sagt Jackson. Bisher habe sein Team immer auf eine Niederlage mit einer guten Leistung reagiert. Druck vor dem drohenden Aus? „Die Stimmung ist entspannt“, sagt Jackson. Nichts anderes vermitteln Trainer und Spieler.

Wenig später dreht sich Jackson noch einmal zu den Tribünen im Wellblechpalast und sagt anerkennend: „Das ist schon besonders.“ Die Fans der Eisbären haben Transparente gemalt und geben ihrem Team die Botschaft mit: „Gemeinsam für ein Ziel. Mit Leidenschaft zur Meisterschaft.“ Und selbst ein Zitat von Walt Disney wird bemüht, um die Motivation anzustacheln: „If you can dream it, you can do it“, zu deutsch: „Wenn du es träumen kannst, dann kannst du es auch schaffen.“

Auf die Unterstützung der Fans setzen die Eisbären, schließlich gewannen sie in dieser Saison alle Heimspiele gegen die DEG. „Diesen Vorteil müssen wir nutzen und zusehen, dass wir einen guten Start erwischen“, sagt Rob Zepp. Wie entscheidend die ersten Minuten auf dem Eis sein können, zeigten die letzten Partien. In Spiel zwei brachte Constantin Braun die Eisbären nach dreizehn Sekunden in Führung, am Ende stand es 5:1. In Spiel drei störte die DEG entscheidend im Aufbau und ging durch Andy Hedlund nach 65 Sekunden in Führung, am Ende gewann Düsseldorf 4:2. Jenes frühe Attackieren in der Zone des Gegners war jeweils der Schlüssel zum Sieg. „Es kommt auf das Forechecking an. Wer mehr investiert, wird das Spiel gewinnen“, sagt Verteidiger Jens Baxmann.

Investiert hatten die Berliner auch bei der Niederlage in Düsseldorf viel, es fehlte die Zielstrebigkeit vor dem Tor. Vermisst wird der an einer Knieverletzung leidende Denis Pederson. Sieben Siegtore hatte er in der Hauptrunde erzielt, so viele wie kein anderer Spieler der Liga. Am Freitag bestätigten die Ärzte die erste Diagnose von einer achtmonatigen Pause.

Von einem Karriereende will der Kanadier aber genauso wenig wissen wie von einem Aus der Eisbären im Halbfinale. „Wir werden es noch packen.“ Und so trägt selbst der verletzte Stürmer die gleiche Zuversicht und Ruhe wie seine Kollegen. Wenn Baxmann vor dem Spiel gegen Düsseldorf durch den Wald läuft, wird Pederson ein Rundfahrtschiff der Eisbären taufen. Das Zeichen ist klar: Aufbruchstimmung soll herschen, keine Angst.

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