Vor den Play-offs : DEL: Das Maß ist die Mitte

In der DEL haben vier Spieltage vor Schluss beinahe alle Mannschaften noch eine Chance, sich auf direktem oder indirektem Weg über die Play-off-Qualifikation in die Endrunde zu spielen. Doch warum ist die Liga in diesem Jahr so eng beieinander?

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In Mannheim spielen derzeit etliche der besten Deutschen Profis - und Yanick Lehoux. Der Kanadier ist aktuell der Topscorer der DEL.
In Mannheim spielen derzeit etliche der besten Deutschen Profis - und Yanick Lehoux. Der Kanadier ist aktuell der Topscorer der...Foto: dpa

Ein bisschen wehmütig sind die Eisbären dieser Tage. Was waren das noch für Zeiten, als sie allen anderen in der Liga davonliefen und andere Klubs im Prinzip schon vor den Spielen wussten, dass es im Normalfall wenig zu holen gibt gegen den Überverein? „Früher dachten alle: Jetzt gibt es in Berlin wieder fünf Gegentore“, sagt Eisbären-Co-Trainer Hartmut Nickel. Und heute? „Heute haben die anderen keinen Respekt mehr vor uns.“ Selbst die Tatsache, dass die Eisbären am Freitag (19.30 Uhr) gegen die Hannover Scorpions und auch bei den zwei Partien danach vor eigenem Publikum auflaufen dürfen, gibt ihnen keine Sicherheit, dass sie ihren dritten Tabellenplatz verteidigen. Zu dicht liegen Krefeld, Hamburg und Ingolstadt hinter ihnen. Und dann kommen auch gleich schon die nächsten Teams.

Tatsächlich ist die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) in dieser Saison ausgeglichener denn je. Bis auf die beiden Erstplatzierten aus Köln und Mannheim liegen die Klubs eng beieinander. Nach 48 Spielen trennen Platz drei und zehn gerade mal elf Punkte. Vier Spieltage vor Beginn der Play-offs ist damit nur klar, dass noch nicht viel klar ist. Beinahe alle Mannschaften haben noch eine Chance, sich auf direktem oder indirektem Weg über die Play-off-Qualifikation in die Endrunde zu spielen. „Ja, es geht eng in der Tabelle zu“, sagt Eisbären-Trainer Don Jackson. „Wir wissen, dass jede Mannschaft gefährlich ist.“

Für viele mittelklassige Klubs mag die Ausgeglichenheit der Liga ein Segen sein. Die Gefahr, dass die Zuschauer vor den Play-offs angesichts aussichtsloser Tabellenpositionen das Interesse verlieren, ist gering. So bleibt es zwar spannend, besseres Eishockey sieht man trotzdem nicht. Denn das große Mittelfeld der DEL fußt nicht auf einem gestiegenen Gesamtniveau der Liga. Im Gegenteil: In der Liste der Topscorer liegen auf Platz zwei und drei Spieler vom Tabellenvorletzten Iserlohn, der viertbeste Schütze kommt vom Letzten Düsseldorfer EG. Die drei sind erfahrene Profis, zwei von ihnen spielen schon seit Jahren in Deutschland.

Neue ausländische Profis von Weltklasse wie den Iserlohner Kanadier Mike York leisten sich die Klubs nur noch selten. Oder sie bekommen sie nicht. Besonders gute Nordamerikaner gehen lieber nach Russland, in die Schweiz, nach Finnland oder Schweden, weil dort besser gezahlt wird als in Deutschland. Dominierten die Eisbären früher die DEL, weil sie überragende Spieler wie Mark Beaufait, Denis Pederson oder Steve Walker hatten, so hat heute „jede Mannschaft ein paar Ausländer, die ein Spiel entscheiden können“, sagt Eisbären-Angreifer André Rankel. Das führt mitunter zu absurden Ergebnissen, wie dem 6:1-Sieg der Düsseldorfer gegen die zweitplatzierten Mannheimer vor gut einer Woche.

Weil pro Team zudem weniger Ausländer eingesetzt werden dürfen, ist der Wert der deutschen Spieler gestiegen. Die besten von ihnen spielen in Köln oder Mannheim: Die beiden Mannschaften stehen in der Tabelle konkurrenzlos vorne – im Vergleich zur Konkurrenz spielen sie auf relativ hohem Niveau ausgeglichen. Dennoch ist der Standard der Liga insgesamt geringer. Förderlich ist das für die Entwicklung der jungen deutschen Profis nicht unbedingt, wie sich kürzlich zeigte.

Die Nationalmannschaft – vorrangig mit DEL-Spielern bestückt – scheiterte gegen Italien und Österreich an der Qualifikation für Olympia. Die besten deutschen Profis waren nicht dabei: Sie spielen in der National Hockey-League (NHL). Und auch die deutsche Riege hinter den NHL-Profis versucht es inzwischen immer häufiger außerhalb der DEL. Alexander Barta und Marcel Müller zum Beispiel. Beide sind gebürtige Berliner. Doch statt in ihrer Heimatstadt zählen sie in der ersten schwedischen Liga zu Leistungsträgern.

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