Sport : Vor den Trainer gestellt

Um Falko Götz zu schonen, kritisiert Herthas Vereinsführung nach der Niederlage in Nürnberg die Spieler

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Falko Götz wirkt gefasst an diesem Sonntagmorgen. Seine Sätze sind klar strukturiert. An manchen Stellen wird er so laut, wie schon seit Wochen nicht mehr. Der Trainer von Hertha BSC will Stärke zeigen, das merkt man. Einen Tag zuvor hat seine Mannschaft 1:2 in Nürnberg verloren – und damit zum siebten Mal in Folge nicht gewonnen. „Wenn wir jetzt nicht gewinnen, dann sind wir das nächste Dortmund“, sagt Götz. Oder: „Die Situation verschärft sich.“ Er kritisiert sein Team hart: „Mit sieben, acht Leuten kannst du nicht gegen Nürnberg gewinnen.“ Wen er nicht zur Mannschaft zählt, das will Götz nicht sagen. Später sagt er lediglich, dass „Pantelic besser spielen kann“. Den mit elf Treffern erfolgreichsten Torjäger der Berliner hatte er nach 58 Minuten ausgewechselt – Marko Pantelic hat schon seit dem 18. Spieltag nicht mehr getroffen.

Auch Manager Dieter Hoeneß hatte seinen Unmut vor allem auf die Spieler gelenkt. Er habe „nicht den Eindruck, dass alle wissen, worum es geht“. Indirekt kritisierte er Gilberto und Pantelic. „Einige Spieler, die von großen Zielen gesprochen haben, rechtfertigen das nicht durch ihre Leistungen“, sagte er. Der Angriff auf die wichtigsten Spieler in einer Krise ist im Profi-Fußball ein gängiger Mechanismus, sie sollen in die Pflicht genommen werden. Sollte das jedoch nicht fruchten und Hertha spielt weiter erfolglos, dann rückt der Trainer in den Mittelpunkt – eine logische Folge. Er lässt sich kostengünstiger austauschen, als ein Drittel der Mannschaft. Der dünn besetzte Kader und die angespannte Finanzsituation lassen ohnehin kaum Veränderungen zu. Götz wird nicht einmal ein Signal setzen können und einen seiner Stars auf die Bank setzen. Die Alternative zu Pantelic beispielsweise hieße Srdjan Lakic.

Hertha wird am kommenden Samstag wahrscheinlich mit derselben Elf auflaufen, die gegen Nürnberg die Bereitschaft zu kämpfen vermissen ließ. „Für mich ist das Spiel gegen Bielefeld das wichtigste der Saison“, sagte Götz. Der Trainer bezog den Satz nicht auf sich selbst, sondern wollte ihn allgemein verstanden wissen. „Meine eigene Situation ist jetzt vollkommen unwichtig. Hertha ist wichtig“, sagte er. Tatsächlich aber ist das Spiel gegen Bielefeld so etwas wie ein Endspiel für Götz – gewinnt er nicht, dann dürfte er intern stark unter Druck geraten. Noch lässt ihn die Vereinsführung in Ruhe arbeiten. Einige in der Mannschaft kritisieren Götz’ Arbeitsstil. Er bemühe sich zwar, finde aber häufig nicht den richtigen Ton, sagen sie.

Nach einem Sieg gegen Bielefeld würden die Diskussionen um Götz erst einmal verstummen. Mit dem Abstieg hätte Hertha dann nichts mehr zu tun. „Das können wir aus eigener Kraft verhindern“, sagt Pal Dardai. Der Mittelfeldspieler sieht Herthas Krise vor allem in Selbstüberschätzung begründet: „Wir haben uns nach der Hinserie selbst eingeredet, wie gut wir sind. Aber der Wille hat uns dann gefehlt.“ Wahrscheinlich haben die Berliner vor der Winterpause etwas über ihren Möglichkeiten gespielt, momentan bleiben sie darunter. Durch eine Aneinanderreihung von Siegen wurde die Mannschaft in der Hinrunde immer selbstbewusster. Die Kette von Niederlagen lässt sie jetzt zunehmend unsicherer werden. Der Knoten müsse jetzt platzen, fordert Götz. „Sonst befinden wir uns im Existenzkampf.“ In der Finanzplanung der Berliner ist ein Abstieg nicht berücksichtigt.

Falko Götz will in der kommenden Woche viele Einzelgespräche führen, mit Gilberto zum Beispiel. Der brasilianische Nationalspieler lief gegen Nürnberg völlig desinteressiert auf dem Platz umher – sein schlurfender Gang an der Seitenlinie erinnerte eher an einen Ausflug zum Pool in Badelatschen denn an die Fußball-Bundesliga. „Er beschäftigt sich gedanklich sehr viel mit unserer augenblicklichen Situation, aber auch mit seiner eigenen“, sagte Götz. Nun wolle er Gilberto mit einem Gespräch zurück „ins Boot holen“.

Gilberto wollte nicht über Herthas Situation sprechen. „Dafür ist mein Deutsch noch nicht gut genug“, sagte er. Weitere Missverständnisse können sie bei Hertha auch nicht gebrauchen.

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