Sport : VOR DER BEGINNENDEN EISHOCKEY-SAISON: Der neue DEL-Star ist ein Stadion

GÜNTER KLEIN

MÜNCHEN .Es ist nicht so, daß die Führung der Deutschen Eishockey-Liga glaubt, sie wäre unfehlbar.Daß es dem Volk an Identifikation mit den vielen ausländischen Spielern mangelt, hat die Crew um Geschäftsführer Bernd Schäfer sehr wohl erkannt und daher im letzten Frühjahr eine Repräsentativ-Umfrage in Auftrag gegeben.Herausgekommen ist dabei, daß die vertrauteste Figur im deutschen Eishockey noch immer der mittlerweile 36jährige Dieter Hegen ist.49 Prozent vermögen ihn seiner sportlichen Tätigkeit zuzuordnen, immerhin 41 Prozent kennen Kölns Torhüter Joseph Heiß.

Doch dann sinken die Werte drastisch ab, Nationalstürmer Thomas Brandl ist nur noch für zehn Prozent ein Begriff.Und geht es hinab zu Rang vier, muß DEL-Medienmanager Ralph Fürther bei der Bekanntgabe des Ergebnisses ein wenig bitter lachen.Auf die Frage "Welchen aktuellen DEL-Spieler kennen Sie?" antworteten neun Prozent mit "Erich Kühnhackl".Der hat vor nunmehr einem Jahrzehnt seine aktive Laufbahn beendet und ist längst Trainer.Er sieht halt noch genauso aus wie zu seiner guten Zeit, hat nach wie vor die langen Haare, und wann immer ein Fernsehsender etwas übers Eishockey wissen wollen (meistens, wenn es irgendwo eine Schlägerei gegeben hat), laden sie Kühnhackl ein.Und so prägt der immer noch das Bild vom Eishockey mit.

Jedenfalls mehr als Len Soccio, Mark MacKay, Jason Lafrenière oder Mark Pederson.Das waren - zur Aufklärung - die erfolgreichsten Stürmer der abgelaufenen DEL-Saison.Doch die Öffentlichkeit tut sich schwer, die stetig wechselnden Namen der neuen Größen zu speichern.Ein Weg, diesses zu beseitigen, wäre es gewesen, die Ausländerkontingente wieder zu beschränken.Darauf hat die Liga verzichtet: Arbeitsplatzbeschränkungen wären rechtlich nicht mehr haltbar in den Zeiten nach Bosman, und man wollte sich auch nicht aufs neue den zu wenigen tauglichen deutschen Spielern ausliefern.Denn die hatten kräftig mitgedreht an der Preisspirale und das ihre beigetragen zur finanziellen Dauermisere.

Die DEL hat nun folgendermaßen reagiert: Ein Klub darf pro Saison nur noch 26 Spieler lizenzieren.Das bedeutet: Jede Verpflichtung muß wohl überlegt sein.Sich mal eben für ein Wochenende einen drittklassigen Kanadier aus Slowenien oder Italien auszuleihen und anschließend zurückzutransferieren, würde das Kontingent an Spielgenehmigungen belasten.Am buntesten haben es 1997/98 die Kassel Huskies getrieben, die übers Jahr 35 Spieler beschäftigten, zwei Torhüter sogar einfach nur, um sie mal eben auf die Ersatzbank zu setzen.Für Kontinuität in Kassel soll nun Bundestrainer Hans Zach sorgen, der nach einjähriger Abstinenz wieder in der DEL arbeitet.

Nun also werden die Cracks länger bleiben, ihre Gesichter sich eher einprägen.Zudem ist die ganz große Neuverpflichtungswelle wie vor einem Jahr, als die DEL-Klubs die Minor Leagues in Nordamerika leerräumen wollten, ausgeblieben.Wohl sind noch jede Menge Kanadier und US-Boys auf dem deutschen Markt unterwegs, doch lediglich in 27 Fällen liegt keine Deutschland- oder Europaerfahrung vor, und das ist eine vorsichtige Quote bei 14 Klubs.Die haben sich lieber an das Bewährte gehalten.

Ob das reicht, um neue Stars zu schaffen? Sicher geht das nicht sofort.Und wenn man denn unbedingt jetzt schon einen potentiellen Star finden will für die kommende Saison, dann ist es kein einzelner Spieler und auch keine Mannschaft, sondern - ein Stadion.Die Kölner Haie beziehen am Freitag die "Kölnarena".Haie-Geschäftsführer Dirk Brugger nennt sie "die modernste Halle Europas".18 000 Zuschauer passen hinein.

Bisher lag der deutsche Rekord für Eishockeyspiele in überdachten Arenen bei 11 000.Die Düsseldorfer EG hatte das früher regelmäßig, der längst verblichene EC Hedos München zählte eine solche Menge einmal bei einem in der Olympiahalle ausgetragenen bayerischen Schicksalsderby gegen den EV Landshut.Die Kölner Haie haben für ihr erstes Spiel schon 13 900 Karten abgesetzt.

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