Sport : Vor der Blüte

André Niklaus ist gerade 21 Jahre alt – und schon einer der besten deutschen Zehnkämpfer

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Von Jutta Meier

Berlin. Es riecht nach Tartanbahn, die Luft steht, und es ist furchtbar heiß. Die vielen jugendlichen Leichtathleten scheint dies nicht zu stören. Sie laufen ihre Runden, sprinten, werfen, springen. Mitten in diesem Gewusel läuft sich ein junger Mann auf dem Rasen ein. Er ist der einzige mit Sonnenbrille und ausgesprochen muskulös. Nach kurzen Dehnungsübungen zieht er sich seine Spikes an und macht auch ein paar kurze Sprints. Entspannt plaudert er mit seinen Trainingskollegen. Sieht so das Training eines verheißungsvollen Zehnkämpfers aus? „Normalerweise natürlich nicht", sagt André Niklaus. Sonst trainiert er fünf bis sechs Stunden täglich mehrere Disziplinen. Der 21-Jährige ist Junioren-Europameister und „auf jeden Fall sehr talentiert", sagt Christoph Kopp, Präsident des Berliner Leichtathletik-Verbands (BLV).

Niklaus war schon für die Europameisterschaften in München nominiert, als er sich einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zuzog und seine Teilnahme absagen musste. Zehn Wochen musste er pausieren. „Das ist sehr lang, aber mein Trainer riet mir, mir die Zeit zu nehmen, falls ich noch eine Weile mit dem Zehnkampf weiter machen will." Dabei hätte er mit seiner Jahresbestleistung von 8042 Punkten sogar eine Platzierung unter den ersten acht Europas geschafft.

An diesem Wochenende will er bei den Deutschen Mehrkampfmeisterschaften im Mommsenstadion zeigen, dass man in Zukunft wieder mit ihm rechnen muss. Sein größter Konkurrent ist Stefan Schmid (LG Karlstadt). „Der kann 8300 Punkte machen. Wenn der gut drauf ist, ist der weg", sagt Niklaus. Den Titelverteidiger und Trainingskollegen Jörg Goedecke (Berliner SC) hingegen hält er für besiegbar. „Der ist im Training immer besser als ich, aber im Wettkampf klappt es nicht bei ihm."

Nach der Deutschen Meisterschaft will er die Saison vorzeitig beenden und dafür im Winter hart trainieren. Elf Einheiten pro Woche. „Neben dem üblichen Techniktraining machen wir im Winter viel Krafttraining“, sagt Niklaus. Aber auch Turnen gehört dazu. „Das brauchen wir fürs Stabhochspringen.“ Diese Disziplin mag er von allen am liebsten. „Mit dem Stabhochsprung verbindet mich eine heimliche Liebe“, gesteht er. Hier hat er 1997 mit 16 Jahren seine erste Medaille gewonnen. Ein Jahr später wurde er im Stabhochsprung und im Zehnkampf Deutscher Meister. Recht spät für einen Top-Athleten. „Als Schüler war ich ganz schlecht“, gibt Niklaus zu. „Aber die richtig guten Zehnkämpfer sind auch alle etwas älter. Mir fehlt da noch die Masse und die Erfahrung.“ Die braucht man vor allem in den technischen Disziplinen wie dem Kugelstoßen, dem Diskus- und Speerwurf. „Der hat seine Blütezeit mit Sicherheit noch vor sich“, sagt auch Kopp. Eine Teilnahme bei Olympia 2004 in Athen sei durchaus realistisch.

Manchmal ärgert sich Niklaus darüber, dass der Zehnkampf vom Publikum kaum wahrgenommen wird. „Die Leute vergessen häufig, dass wir zehn Disziplinen hintereinander machen und wundern sich, dass der 1500-Meter-Lauf am Ende so langsam ist.“ Und wie koordiniert man so viele Disziplinen, ohne dass eine vernachlässigt wird? „Die Trainingspläne schreibt zum Glück mein Trainer. Der blickt da durch.“

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