Sport : Vor der großen Leere

Benedikt Voigt über die Zukunft des deutschen Basketballs

Benedikt Voigt

Wer den NBA-Star Dirk Nowitzki noch einmal im Trikot mit dem Bundesadler sehen möchte, sollte heute um 16.30 Uhr den Fernseher einschalten. Gut möglich, dass es für viele Jahre das letzte Mal sein wird, gut möglich, dass die Basketball-Generation um Dirk Nowitzki am heutigen Abend Geschichte sein wird. Und was kommt dann?

Für den Deutschen Basketball-Bund eine große Leere. Bis zuletzt hat der Verband auf die Generation Nowitzki gesetzt, hat in Spanien die mit Abstand älteste Mannschaft des Turniers aufgeboten, während in Mannschaften wie Italien 21-Jährige glänzen. Im deutschen Team ist Johannes Herber mit 24 Jahren der jüngste Spieler. Doch es bieten sich auch keine Alternativen an, die Nachwuchskrise des deutschen Basketballs ist schon im aktuellen Team sichtbar. Lediglich Jan Jagla hat im letzten Jahr eine positive Entwicklung genommen.

Bereits die Qualifikation für die Europameisterschaft 2009 in Polen dürfte keine Selbstverständlichkeit werden. Nun rächt es sich, dass in der Euphorie um Dirk Nowitzki der Nachwuchs vernachlässigt worden ist. Und dass die Basketball-Bundesliga BBL nach der Aufhebung der Ausländerbeschränkung zu einer unterklassigen US-amerikanischen Liga geworden ist. Das mediale Interesse am Basketball sinkt weiter, die BBL ist längst ins Pay-TV abgewandert. Und dort wird sie auch im nächsten Jahr zu sehen sein. Gerade scheint die deutsche Nationalmannschaft im frei empfangbaren Fernsehen eine große Gelegenheit zu verpassen, Werbung für die eigene Sportart zu betreiben. Beim Debakel gegen Slowenien halbierte sich schnell die Fernsehquote auf weniger als 400 000 Zuschauer.

Was aber, wenn doch noch der allerbeste Fall eintritt, das deutsche Team heute Italien schlägt und sich anschließend für die Olympischen Spiele in Peking qualifiziert? Dann verschiebt sich der Tiefpunkt nur um ein Jahr.

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