Vor der Leichtathletik-EM : Verena Sailer: Europas Zwischenschnellste

Die deutsche 100-Meter-Läuferin Verena Sailer will in der kommenden Woche bei der Leichtathletik-EM ganz vorne mitsprinten.

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Gut unterwegs: Auf Verena Sailer ruhen deutschen Sprinthoffnungen.
Gut unterwegs: Auf Verena Sailer ruhen deutschen Sprinthoffnungen.Foto: dpa

Als Schlagzeile vielleicht etwas übertrieben, aber sachlich völlig richtig: Von der Praktikantin zur Spitzenläuferin. Das ist die Istaf-Karriere von Verena Sailer, die 2005 noch im Organisationsbüro des Berliner Leichtathletik-Meetings arbeitete. Vor wenigen Tagen ist sie Deutsche Meisterin über 100 Meter geworden, nächste Woche will sie bei den Europameisterschaften in Barcelona ganz vorne mitlaufen, und mit einem solchen Erfolg im Rücken auch am 22. August beim Istaf im Olympiastadion an den Start gehen.

„Überall so ein bisschen Erfahrungen gesammelt“ habe sie als Praktikantin. Auf der Bahn ist die 25 Jahre alte Allgäuerin dagegen Spezialistin. 100 Meter. Nicht mehr. Selbst 200 Meter wären ihr zu lang. Und wenn sie auf den letzten 30 der 100 Meter noch etwas zulegen könnte, würde Sailer auch international ein gutes Stück nach vorne sprinten.

Erst einmal will sie auf dem Kontinent nach vorne. „Ich habe Vertrauen zu meinem Trainer, dass ich zum Saisonhöhepunkt gut bin. Das hat bisher auch immer geklappt“, sagt sie. Europas beste Läuferin war sie schon bei der WM in Berlin 2009, weil sie mit 11,24 Sekunden die beste Zeit aller Europäerinnen lief, auch wenn es fürs Finale nicht reichte. „So etwas gibt einem schon Selbstvertrauen“, sagt sie. Genauso wie der Umstand, dass sie am Ende noch mit einer WM-Medaille das Stadion verließ. Als Schlussläuferin hatte Sailer Bronze für die Sprintstaffel erkämpft. „Ich bin unheimlich gerne hier, schönes Stadion, tolle Bahn.“ Auch die schmerzhafte Berührung mit der blauen Bahn dürfte schnell vergessen gewesen sein. Sailer hatte nach ihrem stürmischen Zieleinlauf vor lauter Freude das Gleichgewicht verloren und sich beim Fallen den ganzen Oberschenkel aufgescheuert.

Die Staffel gehörte zu den magischen Momenten der WM, und unter den Zuschauern am 22. August werden wohl einige sein, die ihn im Stadion miterlebt haben. 30 000 Karten sind bislang verkauft. Das Ziel, den 36 000 Besucher fassenden Unterring zu füllen, „werden wir auf jeden Fall erreichen“, sagte Istaf-Geschäftsführer Martin Seeber. Auch das Budget hat er aufgestockt, auf 1,5 Millionen Euro. Für die 100 Meter möchten die Veranstalter davon gerne den Amerikaner Tyson Gay oder den Jamaikaner Asafa Powell verpflichten. Usain Bolt hat bislang andere Pläne. Welche Spitzenathleten noch kommen, soll sich vor allem nächste Woche entscheiden. „Wir wollen unser Versprechen halten, die Europameister von Barcelona nach Berlin zu holen“, sagte Meeting-Direktor Gerhard Janetzky. Verena Sailer würde er auch gerne dazuzählen.

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