Vor der Mitgliederversammlung : Hertha bleibt sich treu

Hohe Schulden und erste Zweifel am Aufstieg. Nach der 0:2-Pleite gegen Duisburg ist die Mitgliederversammlung von Hertha plötzlich interessant.

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Berlin - Lässt sich von einer guten Generalprobe auf eine durchwachsene Premiere schließen? Am vergangenen Donnerstag hatten Vorstand und Geschäftsführung von Hertha BSC die Vereinsmitglieder zu einem ersten Abtasten in eine Messehalle unterm Funkturm geladen. Der Abend geriet zu einem gemütlichen Miteinander. Die kritischste Frage betraf das Catering, weil es bei eiskalten Außentemperaturen angeblich nur Kaltgetränke bereithielt. Präsident Werner Gegenbauer konterte den Vorwurf mit dem Hinweis, die lieben Freunde von der Tischtennisabteilung würden im Foyer auch Kaffee und Streuselkuchen auffahren.

So harmonisch wie bei „Hertha im Dialog“ dürfte es heute Abend nicht zugehen. Zwischen der Plauderstimmung und der Mitgliederversammlung heute Abend im ICC liegen zwar nur fünf Tage und ein paar Meter. Aber eben auch jene 90 Minuten vom Samstag gegen den MSV Duisburg, in denen sich das Profiteam des ambitionierten Fußballklubs mit einer 0:2-Niederlage nachdrücklich für einen längeren Aufenthalt in der Zweiten Bundesliga empfahl. Es wird heute Abend auch die zuletzt dilettierende Belegschaft erwartet und mit ihr der Trainer Markus Babbel, den die blau-weiße Familie bei seinem ersten Auftritt im Mai noch so innig ins Herz geschlossen hatte.

Markus Babbel stand nach dem Abstieg aus der Bundesliga wie kein Zweiter für einen Neuanfang. Nach drei Niederlagen in den letzten vier Spielen hat ihn der Alltag schneller eingeholt, als es vor ein paar Wochen noch die griesgrämigsten Berufspessimisten erwartet hatten. Babbel weiß, dass er mit dem hoch verschuldeten Klub nur diese eine Aufstiegschance hat – und die Mitglieder wissen es auch. Die vom Finanzgeschäftsführer Ingo Schiller am vergangenen Donnerstag vorgetragenen Zahlen mögen in der allgemeinen Heimeligkeit untergegangen sein, aber sie belegten nachdrücklich, dass sich eine Mannschaft zu Erstligabedingungen kaum eine weitere Saison wird leisten können.

In den vergangenen Jahren lag es zu Zeiten sportlicher Misserfolge immer an Arne Friedrich, beruhigende Worte für die Mitglieder zu finden. Diesen Part beherrschte der mit Diplomatenpass geborene Nationalspieler zuweilen besser als sein Kerngeschäft auf dem Platz, aber er steht wegen eines Engagements in Wolfsburg nicht mehr zur Verfügung. Der neue Kapitän Andre Mijatovic schaut seit Wochen verletzt zu, und sein Vertreter Christian Lell hatte sich zuletzt im Kollegenkreis für sportferne Verfehlungen zu rechtfertigen. Hertha BSC steht vor einem interessanten Abend, gern auch mit Kaltgetränken, Kaffee und Streuselkuchen.

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