Vor der neuen Saison : Nur ein Gesicht ist neu

Albas Basketballer setzen zum Bundesliga-Start auf Kontinuität – im Gegensatz zu den Vorjahren.

Helen Ruwald

Berlin - Die größte Konstante waren die Namen, die auf „ic“ endeten. Es war ein ständiges Kommen und Gehen bei Alba Berlin in der Saison 2007/08, nur die treuesten Fans behielten den Überblick über das „Who is who“ des Basketball-Bundesligisten. Subotic, Rasic und Stefanovic blieben nur wenige Monate, andere gingen und flogen, weil die Chemie nicht stimmte oder Alba nächtliche Reeperbahnbummel nicht behagten. Dennoch feierte der Klub, verstärkt von den im Februar verpflichteten Immanuel McElroy und Aleksandar Nadjfeji, den ersten Meistertitel seit 2003. Anschließend wurde wieder alles umgekrempelt, und fünf Leistungsträger wurden geholt.

Das neue Alba erreichte in der Europaliga die Zwischenrunde, scheiterte aber im Juni 2009 im Play-off-Halbfinale. Doch Trainer Luka Pavicevic, dessen Vertrag schon vor den Play-offs verlängert worden war, verzichtete im Sommer darauf, erneut große Teile des Kaders auszutauschen. „Alba hat so viel Kontinuität wie noch nie“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi vor dem Bundesliga-Start heute Abend in Gießen. Nur Kenan Bajramovic ist neu, und ein Flügelspieler soll Alba noch verstärken – als Ersatz für den schon wieder weggeschickten Lee Cummard, der die Erwartungen nicht erfüllt hatte. Nur ein eingespieltes Team, so die Idee, würde die Chance haben, schon vor dem Bundesligastart die Euopaliga-Qualifikation zu meistern. Dieser Plan ist nicht aufgegangen, nun soll das Team aber zumindest den deutschen Meistertitel herbeischaffen. Die Spieler sind mit Pavicevics Stil vertraut. Sie wissen, wie die Mannschaftskollegen ticken und sich bewegen. Es sei ein klarer Vorteil, dass man „Systeme und Laufwege kennt “, sagt Nationalspieler Steffen Hamann.

Veränderungen zur Vorsaison hat es durchaus gegeben, auch unfreiwillig. Nadjfeji, Jacobsen, Sesay und Femerling gehören nicht mehr zum deutlich verkleinerten Kader, der inklusive Nachwuchsspieler nur noch aus zwölf Akteuren besteht – in der Vorsaison waren es mit Dauerverletzten 16. „Einige Spieler hätten wir gerne gehalten“, sagt Trainer Luka Pavicevic, „aber wir haben keinen Weg gefunden.“ Die Finanzkrise hat Alba erreicht, so viele Topspieler kann der Bundesligist sich schlicht nicht leisten. Das Budget wurde leicht gekürzt, in der Vorsaison hatte Alba geschätzte 7,5 Millionen Euro zur Verfügung. Die Profis, die im Sommer verlängerten, mussten finanzielle Abstriche machen – dabei profitierte Alba davon, dass es schwerer denn je war, irgendwo unterzukommen und mit Ausnahme der europäischen Topklubs fast überall die Gehälter sinken.

Zudem ärgerten sich einige Profis so sehr über den verpassten Meistertitel, dass sie „gesagt haben: ,Wir haben hier noch etwas zu tun’, und unser Angebot akzeptiert haben“, erzählt Baldi. „Das zeigt ihre Zugehörigkeit und gibt mir ein gutes Gefühl.“ Der Einzige, der noch wie ein Fremdkörper wirkt, ist Bajramovic. Doch nach erfolgreicher Integration werde man „im November, Dezember einen ganz anderen Spieler erleben“, glaubt Steffen Hamann. Alba täte es gut, wenn sich das dann auch über ihn selber sagen ließe. Hamann, der den Platz in der Startformation an Rashad Wright abtreten musste, steckt im Formtief. Kontinuität garantiert eben nicht automatisch Klasse.

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