Sport : Vor der Partie in Freiburg räumt Torwart Gabor Kiraly eine Fehlreaktion ein

Karsten Doneck

Fußball-Bundesligist Hertha BSC hat schon weitaus schönere Stunden erlebt. Das späte Gegentor, die erneute Verletzung von Marko Rehmer, die Unbeherrschtheit von Torwart Gabor Kiraly gegen einen Balljungen und dann auch noch die Kritik an der sturen Defensivhaltung: bei ihrem Champions-League-Auftritt beim FC Porto (0:1) konnten die Herthaner nun wahrlich keine Pluspunkte sammeln - nicht einmal im übertragenen Sinne. Nur gut, dass das Fußballgeschäft schnelllebig ist. So kann die Mannschaft von Trainer Jürgen Röber schon heute im Bundesligaduell beim SC Freiburg eventuelle Imageschäden korrigieren.

Dieter Hoeneß trug seinen Teil dazu bei, dass die portugiesischen Fehltritte nicht zum missliebigen Dauerthema werden. "Mit etwas mehr Mut zum Risiko wäre in Porto mehr für uns drin gewesen", betont der Manager zwar noch einmal, aber diese Worte als Kritik an der Taktik von Trainer Röber auszulegen, das hält Hoeneß dann doch für "ausgemachten Blödsinn". Röber denkt ohnehin um, wird in Freiburg wieder mehr Offensive wagen: Neben Michael Preetz schickt er diesmal mit Ali Daei einen zweiten Stürmer aufs Feld.

Tore verhindern soll wieder Gabor Kiraly. Der Hertha-Schlussmann entschuldigte sich gestern noch einmal bei jenem Balljungen, dem er nach dem Spiel in Porto vor der Kabinentür im wahrsten Sinne des Wortes an den Kragen gegangen war. "Ich habe ihn an der Jacke gepackt und ihm gedroht", schilderte Kiraly die Situation. Er fühlte sich von dem Jungen provoziert, sieht aber inzwischen sein eigenes Fehlverhalten ein. "Ich habe völlig falsch reagiert." Dieter Hoeneß mühte sich erfolgreich, dem unliebsamen Vorfall sofort die Brisanz zu nehmen. "Ich habe mit den Verantwortlichen des FC Porto geredet. Die Sache ist vom Tisch", so Hoeneß und - vielleicht das Wichtigste - "auch die Uefa hat nicht vor, darauf zu reagieren." Keine Sperre also - Kiralys Hitzköpfigkeit bleibt ungesühnt. Sofern Hertha dem Torwart nicht noch eine Geldstrafe aufbrummt.

Bei Marko Rehmer, der in Porto vorzeitig verletzt ausgeschieden war, diagnostizierten die Ärzte eine Halswirbelstauchung. Die Wirbel selbst blieben unbeschädigt. Rehmer fehlt zwar in Freiburg, aber spätestens am kommenden Dienstag gegen München 1860 soll er wieder den Defensivbereich stärken. Zur Sicherheit ließen die Herthaner, die von Portugal aus gleich in den Breisgau gereist waren, kurzfristig den in Berlin zurück gelassenen Ante Covic in Freiburg antanzen.

Frohe Kunde erreichte Dieter Hoeneß in der Nacht von Donnerstag auf Freitag per Telefon aus den USA. In Vail (Colorado) hält sich Hertha-Profi Sebastian Deisler derzeit zu Untersuchungen auf. "Der Verdacht auf eine Schädigung des Kreuzbandes hat sich nicht bestätigt", ließ sich Hoeneß zu mitternächtlicher Stunde berichten. Auch die Patella-Sehne ist nicht in Mitleidenschaft gezogen. Als nächstes muss sich Deisler nun einer Arthroskopie unterziehen. Erst dann steht endgültig fest, woher seine Beschwerden im rechten Knie rühren. "Aber", so Hoeneß, "die Tendenz ist schon mal positiv, es kann sich um keine gravierende Verletzung handeln."

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