Vor der Relegation : Hoffenheim ist moralisch obenauf

Dem Abstieg geradeso entkommen: Die TSG Hoffenheim sieht sich vor den Relegationsspielen gegen den 1. FC Kaiserslautern als Favorit.

von
Hoffenheims Spieler feierten den überraschenden Auswärtssieg in Dortmund.
Hoffenheims Spieler feierten den überraschenden Auswärtssieg in Dortmund.Foto: dpa

Es waren besondere Gefühle, die sich über Pfingsten am Rand des Trainingsplatzes der TSG Hoffenheim ihren Weg bahnten. Einige Hundert Anhänger klatschten die Spieler ab und machten die Welle. Wie nach „einer Meisterschaft“ sei das gewesen, beschrieb Sejad Salihovic die Szenen am Tag nach dem „Wunder von Dortmund“. In Hoffenheim wird das als wundersamer Neustart empfunden, nachdem die TSG am letzten Spieltag die Entscheidungsspiele gegen den 1. FC Kaiserslautern am 23. und 27. Mai erreichte. „Seit dem Aufstieg 2008 war das nicht mehr so“, befand der Bosnier. „Da ist eine völlig neue Stimmung, unglaublich.“

In Kaiserslautern werden die Jubel-Bilder aus Hoffenheim mit gemischten Gefühlen betrachtet. In der Pfalz muss sich der Zweitliga-Dritte auf einen neuen Gegner vorbereiten. Nicht nur beim FCK hatte man sich auf Fortuna Düsseldorf als Konkurrenten eingestellt. Nun ist es der ungeliebte „Nachbar“ aus Hoffenheim geworden. Und der fühlt sich als Favorit. „Wir sind der Erstligist und müssen dieses Duell gewinnen, das steht fest“, sagte Salihovic und im Hintergrund brandete Beifall auf. „Hoffenheim ist jetzt moralisch obenauf“, fürchtete Kaiserslauterns Klubchef Stefan Kuntz.

Den Hoffenheimern ist der Gegner zwar nicht gleichgültig, überrascht, dass es der FCK ist, ist jedoch niemand. Die Pfälzer standen seit einer Woche als Dritter der Zweiten Liga fest. „Und wir haben Kaiserslautern beobachtet, um auf alles vorbereitet zu sein“, sagte Hoffenheims Trainer Markus Gisdol. Selbst Parkscheine für das erste Relegationsspiel am kommenden Donnerstag um 20.30 Uhr verschickte Hoffenheim – vor dem Sieg in Dortmund. Am Montag findet das Rückspiel im Fritz-Walter-Stadion statt.

Während Kaiserslauterns Fans die „reichen“ Hoffenheimer und deren Mäzen Dietmar Hopp als besondere Motivation empfinden, hat Hoffenheims sportlicher Leiter Alexander Rosen andere Gedanken. „Es ist, als sei hier die Zeit stehen geblieben“, sagte Rosen, der vierte TSG-Manager in dieser Saison. Das sollte ein Lob für die Personalpolitik von Trainer Markus Gisdol sein, der trotz Abstiegsgefahr, auf Nachwuchstalente wie Niklas Süle (17), Stefan Thesker (21), Koen Casteels (20) und Sven Schipplock (24) setzte, während arrivierte Profis keine Rolle mehr spielen. „Diesen Weg werden wir nicht verlassen, das ist Hoffenheims Weg“, kündigte Gisdol an, der sich vorerst als Gewinner fühlen darf, weil der riskante Plan nun aufgehen könnte.

Gisdols Überzeugung beschert nicht nur in Hoffenheim Aufbruchstimmung, sondern begeistert selbst den ehemaligen Trainer Ralf Rangnick, mit dem die TSG aus der Dritten Liga in die Bundesliga aufstieg und der Lehrmeister Gisdols war. „Es war richtig, dass man Markus Gisdol zum Cheftrainer gemacht hat, da er die ursprüngliche Hoffenheimer Spielidee verinnerlicht hat“, sagte Rangnick. „Man erkennt wieder viele Elemente, die 1899 schon damals stark gemacht und zu einer bundesweiten Beliebtheit geführt haben.“

2 Kommentare

Neuester Kommentar