Vor der WM : Zeit für die deutschen Hockey-Frauen wird knapp

Vor der WM müssen die deutschen Hockey-Frauen bei der Champions Trophy ihr Mittelfeld ersetzen.

Claudia Klatt[Nottingham]

Michael Behrmann hat keine grauen Haare. Noch nicht. Das könnte sich jedoch bald ändern, denn momentan wollen die schlechten Nachrichten für den Hockeybundestrainer der Frauen einfach nicht abreißen. „Mittelfußbruch“ lautete die niederschmetternde Diagnose, mit der Jennifer Plass vor wenigen Tagen aus dem Krankenhaus zurückkam. Plass ist damit nach Fanny Rinne und Anke Kühn schon die dritte Mittelfeldspielerin, die verletzt ausfällt – und das sechs Wochen vor Beginn der Weltmeisterschaft in Argentinien.

Behrmann und seine Mannschaft weilen gerade im englischen Nottingham. Dort nimmt das deutsche Team an der Champions Trophy, dem Turnier der sechs weltbesten Mannschaften im Frauenhockey, teil. Eigentlich wollte Behrmann das Turnier als großen Test vor der WM nutzen.

Doch anstatt an den letzten Feinheiten zu arbeiten, muss der Bundestrainer nach dem Ausfall von Plass, Kühn und Rinne nun sein komplettes Mittelfeld ersetzen. „Das ganze System verändert sich durch die Spielerinnen, die fehlen“, sagt Spielführerin Tina Bachmann. Vor allem die Führungsspielerinnen Kühn und Rinne fehlen der jungen deutschen Mannschaft nicht nur sportlich. Bei Fanny Rinne, die momentan eine verschleppte Infektion auskuriert, besteht zwar noch Hoffnung, dass sie es rechtzeitig bis zur WM schafft, doch die Zeit wird knapp. Die schwangere Anke Kühn und die verletzte Jennifer Plass werden sicher fehlen. Aber auch ohne die drei Mittelfeldspielerinnen ist die deutsche Mannschaft nicht chancenlos, das haben die bisherigen Auftritte bei der Champions Trophy gezeigt.

Einem beherzten Auftaktsieg gegen China (2:1) folgte gegen Argentinien ein schwer erkämpftes Unentschieden (2:2). Nur gegen England gab es eine Niederlage, allerdings auch aufgrund eines umstrittenen Fehlers bei einer verwandelten Ecke der deutschen Mannschaft. Die Engländerinnen hatten den Videobeweis gefordert, der Treffer wurde nicht gegeben – und England siegte 2:1. Danach gab es gegen Neuseeland ein 5:2.

„Wir müssen uns mit dem veränderten Mittelfeld noch finden“, sagt der Bundestrainer, der die Defizite in der Vorwärtsbewegung sieht. „Natürlich trifft uns der Ausfall hart“, gibt Michael Behrmann zu. „Wir haben jetzt auch nicht so viele Spielerinnen dahinter und verlieren mit Jennifer Plass unsere wichtigste Spielerin auf der Außenbahn.“ Die Abwehr um Spielführerin Bachmann, Nina Hasselmann und Julia Müller stehe jedoch schon relativ sicher, auch wenn dort mit Lena Andersch die Jüngste im Team eingebaut wird.

Am Samstag steht Holland als nächster Gegner auf dem Programm. Besonders im mentalen Bereich müsse noch zugelegt werden, fordert Bundestrainer Behrmann. Er weiß, dass die Psyche ohne die verletzten Führungsspielerinnen eine noch größere Rolle spielt.

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