• Vor zwei Jahren spielte sich Amelie Mauresmo in Berlin in den Mittelpunkt - seitdem tritt sie auf der Stelle

Sport : Vor zwei Jahren spielte sich Amelie Mauresmo in Berlin in den Mittelpunkt - seitdem tritt sie auf der Stelle

Jörg Allmeroth

An die verdächtigen Seitenblicke der lieben Kolleginnen hat sich Amelie Mauresmo noch nicht gewöhnt: "Was kann ich dafür, dass ich professioneller als andere Spielerinnen arbeite", sagt die muskelbepackte Französin, die sich wie kaum eine andere im Tourzirkus der Damen durch hartes Krafttraining und ein strapaziöses Fitnessprogramm für die sportlichen Herausforderungen stählt.

Doch statt Anerkennung für ihre peinlich leistungsorientierte Attitüde erntet die 20-jährige weiter klammheimliche Unterstellungen von weniger liebenswürdigen Mitstreiterinnen, die sogar Dopingvorwürfe nicht restlos ausklammern: "Ich versuche das wegzublenden, und das gelingt mir auch ganz gut", sagt Amelie Mauresmo, eine der schlagkräftigsten Darstellerinnen im weltweiten WTA-Theater.

In diesem Jahr ist die äußerst selbstbewusste Französin, die sogar das gern und oft verschwiegene Tabuthema gleichgeschlechtlicher Liebe im Damentennis durchbrach und ihre Beziehung zur gut 15 Jahre älteren Barbesitzerin Sylvie Barthez offenbarte, sowieso von flächendeckendem Neid verschont geblieben. Denn die einzigen strahlenden Momente der laufenden Tennissaison hatte sich Mauresmo gleich für den Serienbeginn aufgehoben, als sie auf dem Weg zum Turniersieg in der Olympiastadt Sydney nacheinander die beiden Führenden in der Weltrangliste, Martina Hingis und Lindsay Davenport, triumphal geschlagen hatte.

Doch schon bei den folgenden Australian Open folgte der erste empfindliche Rückschlag für die ungewöhnlich oft von Verletzungen geplagte Athletin. Bereits in der zweiten Runde verabschiedete sie sich sang- und klanglos mit einer Niederlage gegen die Schweizerin Patty Schnyder. Erst zur Sandplatz-Saison kam die angeschlagene Mauresmo zuletzt wieder etwas besser in Schwung und erreichte vor den German Open das Finale beim Turnier im kroatischen Bol. "Es geht ganz langsam aufwärts", sagt Amelie Mauresmo.

Ihr Erstrundenspiel in Berlin hat sie am Dienstag gegen die Polin Pavlina Nola souverän über die Bühne gebrachte. Mit den German Open verbinden sich für Amelie Mauresmo die "schönsten Erinnerungen" ihrer bisherigen Karriere: 1998 sorgte ein begeisternder Siegeszug der damals noch völlig unbeschwerten Teenagerin - mit Siegen über die US-Amerikanerin Lindsay Davenport und die Tschechin Jana Novotna - für die prickelnden German-Open-Momente. Erst im Endspiel scheiterte die Newcomerin an der zähen Spanierin Conchita Martinez. "Es waren herrliche Tage damals", sagt Mauresmo, "jedes Mal, wenn ich nach Berlin zurückkomme, denke ich an diese wunderbare Zeit zurück."

Seit dem Überraschungscoup vor 24 Monaten ist die Französin in ihrer sportlichen Entwicklung aber nicht entscheidend weiter gekommen. Oft verpufft die physische Power Mauresmos in einer unkontrollierten Vorwärts-Strategie. Viele einfache Fehler lähmen erst den Spielfluss und dann das eigene Zutrauen. Auf die ehemalige französische Weltklassespielerin Françoise Durr wirkt Mauresmo wie ein "Porsche, der von einer Fahrschülerin gesteuert wird." Ihr Potenzial nutze die talentierte Spielerin "noch nicht annähernd aus", sagt Durr.

Möglicherweise kann sich das aber schon ändern, wenn Mauresmo von jenen Verletzungsproblemen verschont bleibt, die sie seit über einem Jahr wie ein Fluch verfolgen. Gleich zweimal musste die 20-jährige in der vergangenen Saison längere Zwangspausen einlegen, zuerst nach einer Bänderdehnung bei den French Open und dann noch einmal nach einer Entzündung im rechten Arm in der herbstlichen Hallensaison. Der letzte Rückschlag liegt noch nicht lange zurück: Nach einer Bandscheibenverletzung in Indian Wells war Mauresmo für zwei Monate ausser Gefecht gesetzt.

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