Sport : Voraus gesegelt

Die deutsche Amerika’s-Cup-Yacht ist bei der Qualifikationsregatta vor Valencia schneller als gedacht

Sina Steinmann[Valencia]

Der eine hat einen dänischen Pass und steuert die erste deutsche America’s-Cup-Yacht in der 154-jährigen Cup-Geschichte: Jesper Bank. Der dänische Doppel-Olympiasieger ist in Deutschland bestens bekannt, denn er war es, der Jochen Schümann bei den Olympischen Spielen von Sydney das vierte Gold vor der Nase wegschnappte. Der andere hat einen deutschen und einen polnischen Pass und steuert die spanische Yacht für das Team Desafio Espanol: Karol Jablonski. Auch der gebürtige Pole ist in der deutschen Segelszene gut bekannt, trug er doch als Steuermann der Container 1993 zum letzten deutschen Admiral’s-Cup-Sieg bei.

Gestern trafen Bank und Jablonski vor Valencia erstmals aufeinander. Während Jesper Bank mit seinem United Internet Team Germany bei dieser America’s- Cup-Qualifikationsregatta namens Louis Vuitton Act 4 bei der ersten Wettfahrt noch keine großen Erwartungen hegte, wollte Jablonski unbedingt den Erfolg. Bank hatte nur zweieinhalb Monate Zeit, das deutsche Team zusammenzustellen. Ganze sechs Tage Segeltraining mussten genügen, um die Mannschaft auf die Matchrace-Duelle gegen die besten Teams der Welt vorzubereiten. Doch bereits im ersten Duell auf dem Mittelmeer-Revier hatten Bank und seine 16 Crewmitglieder in der heftig umkämpften Startphase ihr Können unter Beweis gestellt. Bei extrem leichten und drehenden Winden um sechs bis acht Knoten erreichte „GER 72“ die Ziellinie dennoch erst 119 Sekunden nach den Spaniern.

Am Abend des ersten Tages konnten die Deutschen dann überraschend doch noch feiern. Sie erreichten im zweiten Rennen den ersten Sieg einer deutschen Cup-Yacht. Mit der besseren taktischen Leistung auf dem mit Windlöchern gespickten, drei Seemeilen langen Kurs vor dem Strand Valencias gelang im zweiten Rennen der erste Sieg mit 1:02 Minuten Vorsprung gegen die französische K-Challenge. „Dieser Sieg schmeckt gut“, sagte Bank und zeigte sich sichtlich beeindruckt vom Empfang im Mannschaftsquartier. „Wir wollten das Boot festmachen und putzen. Aber da stand das ganze Team mit Champagner. Eine schöne Überraschung.“ Die Franzosen hatten ebenfalls ein Trainingspensum von rund sechs Monaten absolviert.

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